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Flensburg kassiert erste Saison-Niederlage

Quelle: pixabay

Nun also doch! Nach einem intensiven Handballspiel in Magdeburg verliert der Tabellenführer sein erstes Bundesligaspiel seit mehr als einem Jahr. Der Meisterschaftskampf wird noch einmal spannend.

„Das tut uns schon weh, aber wir wussten, dass dieser Tag kommen würde. Am Ende haben Kleinigkeiten gegen uns entschieden", sagte SG-Trainer Maik Machulla (42) nach der bitteren 23:24 Niederlage seiner SG Flensburg Handewitt gegen den SC Magdeburg an den Sky-Mikrofonen.

 

Seit über einem Jahr war die SG in der stärksten Liga der Welt ungeschlagen. Und dann kam Magdeburg - ausgerechnet Magdeburg würden sich die Flensburger Anhänger sagen. War es doch das letzte Spiel, damals, am 22. März 2018, was gegen den starken SC Magdeburg mit 23:29 verloren ging. Seitdem war die Mannschaft von Trainer Maik Machulla 32 Spiele verlustpunktfrei.

 

Doch was bedeutet dieses Ergebnis? Eine weitere Niederlage der SG wird Auswirkungen auf die Liga haben. So rechnet sich der wiedererstarkte THW Kiel durchaus eine Chance aus, um eine mögliche Schwächephase der Flensburger auszunutzen.

 

Es war nicht das Spiel der SG am letzten Spieltag der Handball Bundesliga. Fünf Sekunden vor Ende der Spielzeit traf Magdeburgs Rechtsaußen Robert Weber (33) zum verdienten 24:23 Sieg seiner Mannschaft gegen den bis dahin schier mächtigen Tabellenführer.

 

Während die Heimmannschaft vergnügt mit den Fans den Sieg bejubelte, fasste Flensburgs Abwehrchef Tobias Karlsson (37) das Spiel bei Sky zusammen: „Es war klar, dass es nicht einfach wird, hier Tore zu erzielen. Es heißt jetzt, dass wir zwei Punkte weniger als geplant auf dem Konto haben.“

 

Wenn es nach den Flensburgern ginge, dürfte es gerne bei den einzigen zwei Minuspunkten der Saison bleiben, wollen sie am Ende der Saison die Titelverteidigung feiern.

 

Der bisherige Schlüssel zum Erfolg, die beste Abwehr der Liga mit nur 575 Gegentoren, fand gegen den starken Rückraumlinken des SCM, Michael Damgaard (29), keine Mittel.

 

Auch der sonst so starke SG-Keeper Benjamin Buric (28), hatte mit 32,35% eine eher schwächere Fangquote. Im Mittel hält der Bosnier 36,70% aller gegnerischen Bälle, was zurzeit den zweitbesten Wert der Liga darstellt.

 

Das größte Manko der Flensburger an diesem Nachmittag war die Chancenverwertung des mit Stars gespickten Rückraums. Der mit WM-Medaillen besetzte Rückraum, um den Dänen Rasmus Lauge Schmidt (27) und den hochtalentierten Norweger Magnus Abelvik Rød (21), hatte sehr schlechte Wurfquoten. Bei Rød fand nur einer seiner sieben Würfe den Weg ins gegnerische Tor (Quote: 14,29%). Bei Lauge Schmidt war jeder dritte Wurf ein Treffer (Quote 33,33%).

 

Fakt ist: Der momentan zweitplatzierte THW Kiel, hat aktuell vier Punkte Rückstand, schwebt gerade auf einer Euphoriewelle. Der 28:24 Erfolg im Finale des DHB-Pokals gegen den SC Magdeburg zeigt, wie hungrig die Kieler nach Erfolgen sind. Denn es gilt auch, die Saison versöhnlich für ihren Trainer zu beenden. Alfred Gislason (59) wird den THW nach elf gemeinsamen Jahren verlassen. Eine Meisterschaft als krönender Abschluss wäre für ihn wohl etwas ganz besonderes.

 

Es bleibt also weiterhin spannend. Bei noch acht offenen Spieltagen ist ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten am 12. Mai in der Kieler Sparkassenarena angesetzt. Sollte bis dahin keine der beiden Mannschaften weitere Punkte verlieren, könnten die Kieler nach diesem Spiel bis auf zwei Punkte an Flensburg heranrücken. Bei dann noch vier Spieltagen wäre der Rückstand nur noch minimal.

 

Und dennoch bleibt abzuwarten wie die Nordmänner aus Flensburg die Niederlage wegstecken. Denn unverwundbar ist die Mannschaft von Maik Machulla nicht. In der Champions League hat die SG bereits in der Vorrunde dreizehn Verlustpunkte hinnehmen müssen (sechs Niederlagen und ein Remis). Und auch im Pokal gab es im Achtelfinale eine 28:31 Niederlage.Der Gegner dort hieß: SC Magdeburg.

 

Sollte die SG das Magdeburg-Trauma ablegen und sich auf ihre alten Stärken besinnen, ist eine Titelverteidigung durchaus realistisch. Zumal mit Jim Gottfridsson (26) ein Leistungsträger zurückkehrt und nach langer Verletzung langsam wieder zu seiner alten Form zurückfindet.

 

In Sachen Kaderplanung ist die SG auch bereits für die Zukunft meisterlich aufgestellt. Mit Franz Semper (21) wechselt zur Saison 2020/21 ein talentierter Nationalspieler für zwei Jahre in den Norden. „Franz Semper ist einer meiner absoluten Wunschspieler. Wir hatten sehr lange Kontakt und haben uns über Wochen und Monate intensiv ausgetauscht. Dadurch ist die Entscheidung bei Franz gereift, worüber ich sehr froh bin. Er ist ein großes deutsches Talent im Rückraum und es spricht für ihn, dass er seinen nächsten Schritt für seine Karriere hier bei uns in Flensburg gehen möchte. Ich sehe unglaublich viel Potenzial in ihm und bin sehr froh, dass er sich in seinen jungen Jahren dafür entschieden hat diesen Weg zu gehen“, schwärmt der Trainer in einem Kicker-Interview.

 

Ob Semper auch in seiner Premierensaison auf Titelverteidigung gehen darf, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Entschieden ist noch lange nichts in der stärksten Liga der Welt.

 

Von Simon Rieckmann
Veröffentlicht am 13.04.2019