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Digitales

Generation Smartphone

Quelle: Brett Sayles über Pexels

Eine aktuelle Studie zeigt: Smartphones werden von Jugendlichen und Kindern primär genutzt, um Inhalte in Form von Videos zu konsumieren.

Seit das erste offizielle Smartphone von NOKIA im Jahr 1996 erschien, hat sich dieses rasant von einer innovativen Sensation zu einem immer fortschrittlicher werdenden Alltagsbegleiter entwickelt. Dass dementsprechend heutzutage bereits Kinder ab sechs Jahren Zugang zum Internet haben und dieses über eigene Geräte oder die ihrer Eltern, Geschwister o.a nutzen, überrascht deshalb kaum. Auch die aktuelle Bitkom-Studie belegt dies und stellt sogar fest, dass ab dem zwölften Lebensjahr ganze 97 Prozent der Kinder in der online-Welt aktiv sind. 

Was dabei vielleicht überrascht, ist, dass im Durchschnitt die Altersgruppe der sechs- bis sechzehn-Jährigen das Internet hauptsächlich für Videoinhalte nutzen – telefonieren oder SMS-schreiben sind hier  eher zweitrangig. Während es scheint, dass die Erwachsenenwelt hauptsächlich auf WhatsApp und die jungen Erwachsenen womöglich auf Instagram unterwegs sind, sticht dieser relativ genaue Fokus der Kinder und Jugendlichen auf Bewegtbild doch heraus.

Aufreger oder Hoffnungsschimmer? 

So mancher hat sich sicherlich schon einmal dabei ertappt, wie er oder sie darüber geurteilt hat, wenn man ein Kind im Grundschulalter mit einem eigenen Smartphone in der Hand gesehen hat. Am besten war es dann auch noch das neueste iPhone, das eigentlich auch viel zu groß für die Hand des Kindes war und das man sich dazu selber nicht leisten konnte. Zudem wird das teure Handy dann nahezu ausschließlich für Spiele genutzt, oder um sich scheinbare unnütze Videos auf YouTube anzusehen. 

Wie man aber erst kürzlich an dem Beispiel des Anti-CDU-Videos von YouTuber Rezo gesehen hat, müssen Videos, wie sie auf der weltbekannten Plattform hochgeladen werden, nicht inhaltlos oder stumpf sein, sondern können einen durchaus informierenden Faktor besitzen. Und wenn wie in der Bitkom-Studie erwähnt, rund zwei Drittel der Befragten 10 bis 18-jährigen ihre Kenntnisse durch die Nutzung des Internets erweitern konnten und weitere 30 Prozent sagen, ihnen hätte das Internet in der Schule oder Ausbildung geholfen, kann man auch einen Rückschluss dazu ziehen, dass hier womöglich auch Video-Inhalte ihren Teil dazu beigetragen haben. 

Dennoch sind auch die kritischen Argumente nachvollziehbar, die im Bezug auf Kinder und Jugendliche und Mediennutzung eingeworfen werden. Besonders gilt das für Personen, die noch mit unkaputtbaren Nokia-Handys und Videokassetten aufgewachsen sind und die eben erst mit 13 oder 14 Jahren das erste Smartphone besaßen –  aus dem einfachen Grund, dass es vorher etwas wie ein Handy mit Touchscreen in so einer Form noch nicht gegeben hatte. "Laptop und Smartphone statt Fußball und Radfahren" ist nur eine vieler Artikel-Überschriften, die die Kritik an zu starker Handynutzung von Kindern beschreiben. 

 

Stehenbleiben oder Weitergehen?

Trotz begründeter Kritik, müssen wir uns eingestehen, dass, ao wie sich auch die Smartphones weiterentwickeln, verbessern und sich den neuesten Trends anpassen, so müssen wir und unsere Gesellschaft es auch tun. Heutzutage ein Kind mit 15 oder 16 Jahren das erste Mal mit einem zu Smartphone konfrontieren ist schon beinahe unverantwortlich. Denn in der digitalen Welt spielt sich mittlerweile ein großer Teil des persönlichen und auch gesellschaftlichen Geschehens ab und das mit einer Normalität und Selbstverständlichkeit, die nicht ignoriert werden kann.

Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, dass Kinder schon früh lernen, was für Gefahren in der Online-Welt lauern, jedoch auch die Chancen zu schätzen wissen, die ihnen diverse Plattformen bieten. Dass sich dieses Bewusstsein bereits in die Köpfe der Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren integriert, zeigt erneut die Auswertung der Bitkom-Studie. Dort gaben rund ein Drittel der Befragten an, besonders darauf zu achten, was und wieviel sie von sich in sozialen Medien preisgeben.

Was die Nutzungsintensität von Smartphones angeht, befinden sich die meisten Meinungen in einer grauen Zone, es ist ein ewiges Spiel aus Vor-und Nachteilen. ZEIT-Online Redakteur Martin Spiewack trifft dieses in einem Artikel auf den Punkt: 

"Es ist absolut denkbar, dass wir in 30 Jahren zu der Einsicht kommen, die digitale Dauerpräsenz, für die das Smartphone steht, habe uns weit mehr Vorteile als Nachteile gebracht. Ebenso denkbar ist, dass im Jahr 2007 eine Entwicklung begonnen hat, von der man in der Rückschau sagen wird, man hätte sie nicht so laufen lassen sollen. Was wir erleben, ist ein Menschheitsexperiment in Echtzeit."

 

 

Von Pauline Brenke
Veröffentlicht am 28.05.2019