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Hamburgs Zukunft ist smart

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Auf nur etwa drei Prozent der Erdoberfläche leben mehr als die Hälfte aller Menschen - in Städten. Und die Weltbevölkerung wächst weiter mit atemberaubender Geschwindigkeit. Viele zieht es in die Städte, die zu verheißungsvollen Orten werden und mit der Aussicht auf Arbeit, bessere Bildungschancen und Wohnmöglichkeiten locken. Wie geht die Stadt Hamburg damit um?

Auf nur etwa drei Prozent der Erdoberfläche leben mehr als die Hälfte aller Menschen - in Städten. Und die Weltbevölkerung wächst weiter mit atemberaubender Geschwindigkeit. Viele zieht es in die Städte, die zu verheißungsvollen Orten werden und mit der Aussicht auf Arbeit, bessere Bildungschancen und Wohnmöglichkeiten locken. Die Statistik belegt die Tendenz: Seit 2007 leben weltweit mehr Menschen in urbanen als in ländlichen Räumen. Laut Experten der Vereinten Nationen werden 2050 bis zu 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten wohnen. Auch Deutschland und seine europäischen Nachbarn stehen künftig vor der enormen Herausforderung, städtischen Lebensraum nicht nur attraktiv, sondern auch intelligent und nachhaltig zu gestalten. Hierbei kristallisieren sich die Themenfelder Ressourceneffizienz, Mobilität und Datennutzung als besonders wichtig heraus. Es wird in Politik und Wirtschaft zwar laufend über die Endlichkeit der Ressourcen und über Nachhaltigkeit diskutiert, aber für die meisten Bürger werden keine Lösungen sichtbar. Häufig entsteht daher der Eindruck, dass es keine Ansätze oder wenigstens Ideen für diese Probleme gibt. Dabei sind auf Grund von technologischem Fortschritt und wirtschaftlicher Stärke besonders in Deutschland die Herausforderungen ideal, um nachhaltige, attraktive Projekte in Angriff zu nehmen. Und wenn man weiß, wo man suchen muss, dann wird man fündig. Auch in Hamburg.

Die Zukunft ist grün

Das Volk der kleinen Scenedesmus lebt in Hamburg Wilhelmsburg auf gerade einmal 200 Quadratmetern. Am liebsten mögen Sie Temperaturen um die 33 Grad. Alle von Ihnen sind in der Energiegewinnung tätig und produzieren im Jahr 4500 Kilowattstunden. "Über die eineinhalb Jahre haben wir 70 bis 80 Prozent der Maximalleistung erreicht“, sagt Dr. Martin Kerner, Geschäftsführer der Biotechnologieschmiede SSC Strategic Science Consult GmbH. Er ist verantwortlich dafür, dass im BIQ Algenhaus die Scenedesmus-Alge erfolgreich Biomasse an Hauswänden produziert. Es lässt sich ein Blick in die Zukunft erhaschen: Das giftgrüne Haus nutzt eine sogenannte Bioreaktorfassade, seine Glaswände bieten Mikroalgen optimale Lebensbedingungen. Durch Sonnenlicht und Kohlendioxid werden diese dann zu Wärme und Biomasse umgewandelt. Mit dieser Energie lässt sich das ganze Haus versorgen. Aber die weltweit einzigartige Fassade dient nicht nur der Energiegewinnung. Mit Ihr können auch Lichtsteuerung und Beschattung, Schallschutz oder Wärme- und Kältesteuerung durchgeführt werden. Noch ist eine Verbreitung der Technologie aber schwer durchzusetzen. Einerseits ist die Bioreaktorfassade noch zu anfällig für Fehler. Ein verstopftes Ventil, ein kaputter Schlauch oder zu hohe Temperaturen bei direkter Sonneneinstrahlungen sind Probleme, die es auszumerzen gilt. Außerdem lässt sich die Technik erst wirtschaftlich betreiben, wenn höhere Preise für Algen gefordert werden können. Denkbare Abnehmer wären zum Beispiel die Kosmetik- oder Fitnessindustrie. Generell ist die Technik jedoch alltagstauglich und wäre an Bürowänden, Lagerhallen oder auch Lärmschutzwänden einsetzbar. 

Die Toilette als Energiequelle

Wiederverwertet statt Wegwerfen lautet das Motto der „Stadt der Zukunft“. Riesige Vorräte an Rohstoffen befinden sich in Städten, von alten Betonträgern bis hin zu einfachen Blechdosen an der Straßenecke. Die Vision ist, dass eine Stadt in Zukunft irgendwann selbst keine Abfälle mehr produziert, sondern diese recycelt. Einen ersten Schritt in diese Richtung geht der„Hamburg Water Cycle“. Im Wohnprojekt Jenfelder Au wird das innovative Projekt erstmals eingesetzt, über 600 Wohneinheiten sind angeschlossen. Es bietet eine Kombination von Abwasserentsorgung und Energiegewinnung im städtischen Raum. Beide Bereiche der Infrastruktur werden nicht als alleinstehend betrachtet, sondern als geschlossenes System, das sich ergänzt. So kann die Ressource Grundwasser geschützt und die Abwässer zur Energiegewinnung genutzt werden. Die Besonderheit und wichtigster Bestandteil des „Hamburg Water Cycle“ ist dabei die getrennte Verarbeitung verschiedener Abwasserarten. Denn Abwasser kann in drei verschiedene Arten eingeteilt werden: Niederschlag, Wasser aus Küche und Bad und Abwasser aus der Toilette. Diese werden dann getrennt aufbereitet. Dabei hat das bei der Toilettennutzung entstehen, sogenannte Schwarzwasser eine besondere Bedeutung. Es wird zu einem naheliegenden Betriebshof geleitet. Durch Vergärung kann dann Biogas erzeugt werden, welches für Energie- und Wärmeversorgung des Quartiers genutzt werden kann. Grauwasser, aus Küche und Bad, wird aufbereitet und dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt, es kann aber bei Bedarf auch für Bewässerungszwecke genutzt werden. Das Regenwasser versickert oder verdunstet auf großen Grünflächen, oder wird in Auffangbecken dem „Hamburg Water Cycle“ zugeführt. Die folgenden Infografiken veranschaulichen den Kreislauf.

Neue Mobilitätskonzepte

Mobilität ist ein weiterer wichtiger Punkt im Stadtbild der Zukunft. Einwohner werden neue Mobilitätsgewohnheiten für sich finden müssen, damit der CO2 Ausstoß zurückgehen kann. Schon jetzt steigen viele Menschen wieder häufiger aufs Fahrrad um oder sind bei einem Carsharing Network angemeldet. Ein Grund dafür könnte Parkplatzmangel oder das hohe Verkehrsaufkommen in der Rush-Hour sein. StadtRAD Hamburg ist dabei das erfolgreichste Fahrradverleih-System in ganz Deutschland. Etwa 270.000 registrierten Kunden stehen über 1600 Fahrräder an mehr als 130 Stationen zur Verfügung. Die Ausleihe erfolgt nach einmaliger Anmeldung per Smartphone-App oder EC-/Kreditkarte. Aber was macht das System so erfolgreich? Großen Einfluss hat der Preis: Die erste halbe Stunde Fahrt ist immer kostenlos und danach kostet die Minute 8 Cent, am Tag zahlt man höchstens 12 Euro. Aber auch das große und gut sichtbare Stationsnetz sowie die einfache Handhabung sind wichtige Faktoren. Dabei ist ist die Smartphone-App von großem Wert, denn mit dieser kann die Verfügbarkeit von Rädern an den Stationen schon vorher überprüft werden. Hinzu kommen Carsharing-Konzepte wie car2go oder DriveNow, bei denen man pro Minute bezahlt und spontan per App Autos leihen kann. Diese werden dann im Stadtgebiet abgestellt, vielerorts gibt es sogar reservierte Parkplätze. Zwar nutzen nur knapp 1,3 Millionen Menschen in Deutschland diese Angebote, doch die Nutzerzahlen steigen rasant und immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto. Die Stadt Hamburg kombiniert die verschiedenen Angebote in ihrem Angebot „switchh - Hamburg verbunden“, in welchem StadtRAD, die öffentlichen Verkehrsmittel, car2go und Vergünstigungen bei Europcar in einem Monatsabo verbunden werden, wodurch weitere Ziele teilweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können. Doch auch die öffentlichen Verkehrsmittel selbst müssen noch attraktiver werden. Erreichen könnte man dies beispielsweise durch Technologien wie STEAM, einer Sendetechnologie, die Ampeln per GPS mitteilt, dass sich ein Bus nähert - und diese dann auf Grün schaltet. 

Daten sind attraktiv

Viele der genannten Projekte basieren auf der Verarbeitung von Daten aller Art. Wie aber kann man Datenverarbeitung sichtbarer und attraktiver für den einzelnen Bürger werden lassen? Genau dieser Frage hat sich Lars Hinrichs, Gründer des Karrierenetzwerks Xing, angenommen. Und er glaubt die Lösung in sogenannten „Smart Homes“ gefunden zu haben: Das „Apartimentum“ in Hamburg Rotherbaum ist die erste Umsetzung seiner Idee. „Apartimentum ist eine völlig neue Idee von Wohnen, die mich sofort zuhause fühlen lässt und mir Zeit gibt für die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben“, meint Hinrichs. Die verschiedenen „smarten“ Elemente bezeichnet er als „die fünfte Kategorie des Wohnens“. Die einzelnen Wohneinheiten werden wie eine Faltrate gebucht, die alles beinhaltet - von Internet bis Wasser. Aber was macht diese Wohnungen „smart“ und besonders? Zum einen technische Spielereien, die das Leben erleichtern. Dies sind zum Beispiel Türschlösser, die per Smartphone geöffnet werden. Oder aus der Ferne für Freunde freigegeben werden. Ebenso für die Putzhilfe, die zu einer bestimmten Uhrzeit die Wohnungstür mit Ihrem eigenen Smartphone öffnen kann. Auch der Fahrstuhl wird automatisch gerufen, sobald man per Auto in die Garage fährt. In die Badewanne kann man aus der Bahn schon Wasser einfließen lassen, der smarte Kühlschrank weiß über Inhalt und die Haltbarkeitsdaten der Produkte bescheid. Gleichzeitig wird einiges für die Nachhaltigkeit getan: So schalten sich die Lichter automatisch ab, sobald man die Wohnung verlässt und die Waschmaschine berechnet auf Grund der eingeworfenen Wäsche das sparsamste Programm. Sollte das Projekt erfolgreich angenommen werden, will Hinrichs es auch in anderen Städten umsetzen. 

Jeder muss mitziehen

All diese Projekte können jedoch niemals im großen Stile umgesetzt werden, wenn kein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet. „Nur die Technologie wird sich durchsetzen, die im Alltag auch auf Akzeptanz stößt, davon bin ich fest überzeugt. Deshalb aber sollten wir den Mut zum Fortschritt leben und nach der Verwirklichung der modernen Stadt streben" meint Olaf Scholz, Bürgermeister der Stadt Hamburg. Alle müssen sich stärker mit den Themen der Nachhaltigkeit, Mobilität und Zukunftsplanung auseinandersetzen. In Hamburg wollen mittlerweile immer mehr Bewohner an eben solchen Entscheidungen teilhaben, über neue Kommunikationskanäle könnte dieser Anspruch auch erfüllt werden. Aber in jedem Fall warten große Chancen und Herausforderungen auf Politik und Bürger. „Die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt bereits in Städten, und diese Entwicklung geht weiter. Diese wachsenden Städte müssen gebaut werden – nicht neu, sondern weiter, größer, intelligenter und chancenreicher. Wir dürfen keine Angst vor den technologischen Möglichkeiten haben, sondern sollten sie im Sinne von Selbstbestimmung und Freiheit nutzen", so Scholz und fügt an: „Ich bin fest davon überzeugt, dass es uns gelingen kann, durch den Einsatz von neuen Technologien die Services und die Lebensqualität Hamburgs weiter zu steigern."

Von Finn Köhler
Veröffentlicht am 25.04.2016