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Fußball

HSV kassiert 3. Heimklatsche

Die Hamburger kassieren am 32. Spieltag eine sehr peinliche 0:3 Niederlage und zwar ausgerechnet gegen den Abstiegskandidaten Ingolstadt. Dadurch rückt der Aufstieg langsam in weite Ferne. Was sagen Fans und Experten nach dieser erneuten Enttäuschung.

„Wir haben eine ganz junge Mannschaft. Fakt ist, sie kann mit dieser Drucksituation, die entstanden ist, nicht umgehen“, meinte Sportvorstand Ralf Becker am Samstag nach der Niederlage und versucht sie damit zu erklären.

Dabei waren sich viele Fans doch so sicher, an diesem Samstag schafft der HSV nach seinen sechs Niederlagen endlich wieder einen Sieg. Schließlich handelt es sich bei dem Gegner Ingolstadt um einen Abstiegskandidaten. Die Stimmung im Heimstadion mit 50.768 Zuschauern vor Anpfiff war deshalb sehr hoffnungsvoll.
Doch dann gleich in der 8. Minute ertönt das Stadion. TOOOR!!! Und zwar für Ingolstadt. Platziert zischte die Kugel von Lezcano unhaltbar oben ins rechte Eck. Sehr frustrierend für den Hsv aber zu diesem Zeitpunkt war noch nichts verloren. Jedoch scheinen die Rothosen keinen richtigen Plan zu verfolgen und durch die steigende Verunsicherung, folgten immer wieder Ballverluste.

Nach der Halbzeit zeigte sich Hamburg stark verbessert und erspielte sich mehrere gute Möglichkeiten, doch es fehlten Ideen, individuelle Klasse und vor allem der Wille. Orel Mangala (48.) und Khaled Narey (60.) konnten ihre Gelegenheiten nicht nutzen.
Auch der in der 63. Minute eingewechselte Torjäger Pierre-Michel Lasogga konnte dem Spiel keine Wende mehr geben. Und dann wieder in der 68. Minute: TOOOR!!! Jetzt wurde es bitter für den HSV.
Josha Vagnoman verstolperte den Ball und Thomas Pledl steuerte alleine auf den Hamburger Kasten zu und schoss hoch links ab. Pollersbeck hatte keine Chance.
Und als ob das nicht schon schlimm genug für die Hamburger war, kam dann auch noch in der 72. Minute das 0:3 erzielt durch Marcel Gaus. 

Unglaublich …

Die meisten Fans verließen das Stadion bereits in der 70. Minute. Mit dem Schlusspfiff folgte ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert.

„Du lädst dich Woche für Woche nochmal auf, versuchst alles und dann kommt der nächste Rückschlag. Uns fehlt im Moment einfach das Gefühl eines Sieges.“ Sagte Rick van Drongelen der nach dem Spiel unter Tränen das Spielfeld verließ.
Zum siebten Mal in Folge können die Hamburger nicht gewinnen, drei der letzten vier Heimspiele gingen verloren. Obwohl sie extra vor dem Spiel noch im Trainingslager waren.

 Für Klubidol Uwe Seeler  ist klar der mangelnde Erfolg der Mannschaft liegt an dem fehlenden Wir-Gefühl: "Ich glaube nicht, dass bei so einigen Spielern die Klasse reicht", so Seeler, "aber für mich ist das Schlimmste, dass da keine Mannschaft auf dem Rasen ist. Da hilft der eine dem anderen nicht. 

Dabei hätten die Hamburger an diesem Wochenende einen riesengroßen Sprung Richtung Aufstieg machen können, denn Paderborn verlor bereits am Freitag mit 0:2 in Bielefeld. Doch die Profis enttäuschten ihre Fans und verpassten damit die Chance auf den zweiten Tabellenplatz.

"Ich kann den Unmut der Fans nachvollziehen" sagte der HSV-Coach Hannes Wolf, der sein Team überreden musste, nach dem Abpfiff noch zur Nordtribüne zu gehen. Einige Spieler wievan Drongelenhat er dafür sogar nochmal persönlich aus der Kabine geholt."Es ist natürlich richtig bitter, wenn die Aktionen des Gegners bejubelt werden. Aber es war wichtig, dass wir uns dem gestellt haben und noch in die Kurve gegangen sind.“

 

Wolf darf bleiben

Für viele Fans stand nach dieser Niederlage fest - Trainer Wolf kann noch am selben Abend seine Koffer packen.
Doch am Sonntag verkündeten Sportchef Ralf Becker, Clubboss Bernd Hoffmann und Sportdirektor Michael Mutzel nach einer 3 Stunden Beratung, dass Wolf Trainer bleibt.

„Wir sehen es differenziert, warum wir in den vergangenen sieben Spielen keine Ergebnisse erzielt haben, und sind grundsätzlich total überzeugt von unserem Trainer.“So Becker nach dem Gespräch.

Wahrscheinlich hat der Vorstand auch eingesehen, dass es lächerlich wäre für die letzten zwei Spiele wieder einen neuen Trainer zu holen. Denn es sind nur noch zwei Partien in der 2. Liga für den HSV zu spielen. Und der Aufstieg rückt langsam immer weiter weg.

 
Ist der Aufstieg noch möglich?

Trotz allem kann der HSV noch den dritten Platz und damit die Relegation erreichen, es liegt in erster Linie an den Patzern der Konkurrenz. Verliert der HSV aber beim nächsten Spiel, wäre das Schneckenrennen um Platz zwei und drei für die Hamburger schon vor dem letzten Spieltag gelaufen.
Sie haben also noch eine Chance, aber nur weil andere Vereine noch schlechter spielen als sie… Aus diesem Grund sind sogar einige Fans der Meinung, dass das Team in diesem Zustand nichts auf Platz drei und schon gar nichts in der Bundesliga verloren hat.

„ Die spielen so scheiße, die hätten einen Aufstieg gar nicht mehr verdient“ sagte Lukas M bei unseren Fan Interviews.

„Mein Vertrauen für diese Season ist aufgebraucht, ich erwarte gar nichts mehr von dieser Mannschaft und diesem Trainer- werde beim nächsten Spiel nicht mehr ins Stadion gehen. Das tu ich mir nicht mehr an.“ So Ingo K. ein langjähriger enttäuschter Fan.

Trainer Wolf ist allerdings immer noch optimistisch: „Wir haben jetzt die klare Verantwortung wieder aufzustehen, um in acht Tagen in Paderborn ein besseres Spiel zu machen. Wir werden weiterkämpfen. Es wäre Wahnsinn zu sagen, es ist schon vorbei. Wir können aus eigener Kraft noch mindestens Dritter werden.“  

Abwehrspieler Gotoku Sakai meldete sich nach der Niederlage zu Wort und sieht es ähnlich wie sein Trainer:„Wir haben noch zwei Spiele. Jedes Spiel ist anders. Wir können jetzt nicht sagen, dass wir nicht aufsteigen wollen. Wir können nicht einfach abhauen. Es ist mein persönlicher Anspruch, niemals aufzugeben."

Auch ein paar Fans stehen nach dieser Niederlage noch treu hinter ihrem HSV und haben ihre Hoffnung immer noch nicht verloren:

„Wir hatten so viele Krisen aber haben sie am Ende immer überstanden, ich denke der HSV wird wie so oft Glück haben und den Aufstieg dennoch schaffen.“ Jonas L.

Uwe Seeler betonte nochmal, dass die Mannschaft es jedoch nur zusammen schaffen kann. Und bemängelt wie auch viele Fans den fehlenden Willen einiger Spieler.“ Sie brauchen Wille und Leidenschaft. Herzblut kann man nicht einfordern, Herzblut ist eine Charakter-Frage."

Von Elisa Cobernuß
Veröffentlicht am 07.05.2019