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Immer wieder Ärger mit Amazon

Die meisten Menschen würden das Image des Konzerngiganten Amazon als transparent, modern und innovativ bezeichnen. Ein lockeres Unternehmen im Silicon Valley, wo die Angestellten glücklich sind und eine herausragende Work-Life-Balance erschaffen. Amazon bringt voran, mischt überall mit. Doch ist das positive, aufgeschlossene Image mehr Schein als sein?

Das 1994 gegründete E-Commerce-Legende Amazon ist aus dem heutigen digitalen Alltag kaum wegzudenken. Vom normalen Online-Shopping über Lebensmittelbestellung durch AmazonFresh oder Unterhaltung durch AmazonPrime - Amazon hat es geschafft, sich in den Alltag der Menschen zu integrieren. Mit weltweit 107 Milliarden US-Dollar Umsatz gehört Amazon zu den Top 10 der wertvollsten Unternehmen. Kurzum: Amazon ist erfolgreich, weltoffen und marktführend in vielen Segmenten und genießt dabei eine erstrebenswerte Reputation. Wie kann es dann passieren, dass ihre eigens entwickelte künstliche Intelligenz sexistisch ist? Dass immer wieder Spionage-Gerüchte in den News kursieren und dass der Chef zum schlimmsten Boss der Welt gewählt wird? Offenbar ist das Amazon-Image in vielen Hinsichten mehr Schein als sein. 

Eigentlich wollte Amazon ein System entwickeln, um das konzerneigene Recruiting-Team zu unterstützen. Stattdessen passierte ein riesiger Faux-pas: Die Software künstlicher Intelligenz, die die besten Bewerber heraussuchen sollte, benachteiligte Frauen. Der Grund dafür sei ein Fehler, den sich die Software selbst beigebracht habe. So wurden als Grundlage für die Bewertung, ob ein Bewerber geeignet oder ungeeignet sei die Bewerbungen der letzten zehn Jahre zu Grunde gelegt. Dass diese Bewerbungen zu einem Großteil von Männern stammten, sollte eigentlich keine Rolle spielen. Das tat es für das System allerdings schon, so wurde das Merkmal ,,männlich'' schließlich als positives und das Merkmal ,,weiblich'' als negatives Kriterium gewertet. Amazon entschuldigte sich zwar und betonte, dass der Fehler nicht auf der Programmierung eines Menschen beruhte, doch es bleibt die Frage: Wie lange wurden Frauen im Bewerbungsverfahren benachteiligt und welche Auswirkungen hatte das auf die Anstellung von weiblichen Mitarbeitern? Dazu äußerte Amazon sich nicht.

Zudem wird Amazon immer wieder mit der Spionage der amerikanischen CIA in Verbindung gebracht, für die das Unternehmen seit 2013 Bekannterweise arbeitet. Daten der User sollen weitergegeben und gewisse Seiten von Whistleblowern offline geschaltet worden sein. Nach dem großen Datenskandal von Facebook sollte man vermuten, dass auch Amazon so ein Skandal bevorstand - doch der blieb aus. 

Außerdem gilt Amazon mit Unternehmen wie Google und Facebook als sehr mitarbeiterfreundlich mit Work-Life-Balance, mobilem Arbeiten, Boni und überdurchschnittlichen Arbeitsbedingungen. Wie kommt es dann, dass der CEO Jeff Bezos 2014 vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) zum schlechtesten Boss der Welt gekürt wurde?
Jeff Bezos verkörpert die Unmenschlichkeit von Arbeitgebern, die auf das US-amerikanische Unternehmensmodell setzen. Unsere Botschaft an die Großkonzerne lautet, dass das aufhören muss, keine Misshandlung von Beschäftigten mehr", so Sharan Burrow, Generalsekretär des IGB. 

Auch Steuerhinterziehung durch Konten in Luxemburg werden dem Konzern immer wieder vorgeworfen. Die Frage, die man sich dabei stellt, ist: Wie kommt es, dass Amazon trotz allem so ein gutes Image behält?

Die Antwort ist leicht zu beantworten: Amazon hat momentan eine Monopolstellung und ist allen Mitbewerbern überlegen. Daher gibt es keine Konkurrenz, die Amazon die Kunden strittig macht. Verwurzelungen in anderen Unternehmen, Medienhäusern und soziale Projekte lassen das Image des Online-Giganten positiv erscheinen, rücken negative Schlagzeilen in den Hintergrund. Bei einer immer Verbraucherschaft, dessen Bewusstsein für Fairness, Umwelt und Miteinander immer mehr in den Fokus gerät, muss Amazon also schleunigst ins Handeln kommen, um in den nächsten Jahrzehnten immer noch gefragt zu sein.

Von Natascha Dammann
Veröffentlicht am 23.10.2018