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Wissenschaft

Im Kampf gegen Kükenmorde

50 Millionen Küken werden jährlich getötet
Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Stand: März 2015

Jährlich werden in Deutschland rund 50 Millionen männliche Küken getötet. Ein Verfahren mit dem es nun möglich sein soll, das Geschlecht der Küken frühzeitig zu erkennen, soll das in Zukunft verhindern.

Weder das Schreddern, noch das Vergasen von männlich Küken ist laut dem Tierschutzgesetz verboten. Im Mai diesen Jahres entschied das Oberverwaltungsgericht Münster über dieses neue Gesetz, an das sich, bis auf Hessen und Nordrhein-Westfalen, alle Bundesländer halten müssen.

Wenn eine Gesellschaft Hühnereier konsumieren will, muss die Tötung der Millionen männlichen Küken in Kauf genommen werden, da diese keine Eier produzieren und die Aufzucht der Küken ein „unverhältnismäßiger hoher Aufwand“ sei.

Ein Forscherteam der TU Dresden hat sich zum Ziel gesetzt, dagegen vorzugehen und das Essen von Hühnereiern wieder vertretbar werden zu lassen. Dafür entwickeln sie zusammen mit der Unterstützung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein Verfahren, mit dem es bereits 72 Stunden nach der Bebrütung möglich ist, das Geschlecht eines Kükens zu ermitteln. Physiker Edmund Koch ist Teilleiter des Projektes und unterrichtet an der TU Dresden. Er erklärt, wie das Verfahren funktioniert. „ Küken weisen einen unterschiedlichen Chromosomensatz auf. Mithilfe der Raman-Mikroskopie ist es daher möglich, schon im Ei zu erkennen, ob es sich um ein männliches oder ein weibliches Küken handelt.“ In das Ei wird zuerst mit einem Laser ein kleines Loch in die Kalkschale geschnitten. Durch die Bestrahlung und die Analyse des gestreuten Lichts an den Blutzellen, kann dann ermittelt werden, welches Geschlecht das Küken hat und zum Schluss wird das Ei wieder verschlossen (siehe Abbildung). Weibliche Eier werden dann weiter ausgebrütet und die männlichen Eier könnten für Industriezwecke oder Fütterung verwendet werden. „Heute ist das Verfahren noch nicht kompatibel für Massenproduktion, aber wir arbeiten an einer Vollautomatisierung dieses Verfahrens, sodass die Anwendung dann auch für Massenproduktion sinnvoll ist,“ erklärt Edmund Koch.


Wichtig ist: Die Embryos haben zu diesem Zeitpunkt noch kein Schmerzempfinden. Das brutale Töten der Küken wäre dann also nicht mehr notwendig. Zudem verläuft die Untersuchung kontaktfrei, wodurch auf eine Reinigung und Desinfizierung der Geräte verhindert, und die Kosten relativ gering gehalten werden. Für die Bestimmung des Geschlechts brauchen die Geräte momentan noch etwa 15 Sekunden. Der bis Ende 2016 erscheinende Geräte-Prototyp soll dann aber nur noch zehn Sekunden brauchen und mit einer Genauigkeit von 90% zwischen Männlein und Weiblein unterscheiden können.


2017 könnte es dann soweit sein, dass die „technische Lösung“ gegen das Morden von Küken-Babys marktreif ist. Daumen drücken heißt es also für die flauschigen, männlichen „Nichtsnutze“.

Von Amelie Claasen
Veröffentlicht am 10.08.2016