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Lauf gegen Rechts

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Die Schuhe sind geschnürt, die Strecke ist bekannt und das Wetter spielt mit. Beim Lauf gegen Rechts wird einmal mehr gegen die rechte Szene vorgegangen. Es soll ein Zeichen gegen politisch motivierte Straftaten sein. Ein kleiner Lauf für den Einzelnen, eine große Bedeutung für die Allgemeinheit.

Hamburg am 16. Mai 2016. 

Eine Schusswaffe wird gezogen. "Du scheiß Ausländer, du Asylbewerber, ich schieße dir ins Bein.“ - ruft ein Mann.

Kurz darauf schlägt er mit der Pistole auf seinen Gegenüber ein. 

Das ist nur eine von 86 gemeldeten rechtsmotivierten Straftaten im 1. Quartal 2016 in Hamburg. 

Im Schnitt ist das fast jeden Tag eine.

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten sinkt jedoch. Im Vergleich zum Jahr 2016 sank die Anzahl der Straftaten rechter Täter 2017 um 12,9% auf 20.520. Auch im Internet sinkt die Fremdenfeindlichkeit. Die sogenannten Hasspostings reduzierten sich um fast 50% auf jetzt 1681.

Eine Tendenz, die zunächst beruhigt. Dabei kann es sich jedoch um eine Momentaufnahme handeln.

2016 ergab sich die Rekordzahl an Straftaten besonders durch Angriffe auf Asylunterkünfte. Da sich diese Lage etwas beruhigt hat, täuscht die Statistik der Straftaten leicht.

Einen großen Teil der rechten Straftaten ordnet die Polizei als „Hassverbrechen“ ein. Damit sind mittlerweile besonders rassistische Angriffe auf Migranten gemeint. Diese sinken zwar leicht, erreichen 2017 jedoch trotzdem einen hohen Stand. Die Polizei spricht von fast 6500 Delikten.

Bewusst gegen die rechte Szene vorgehen will der 1. FC St. Pauli. Seit 2013 veranstaltet der Fussballverein den „Lauf gegen Rechts“. Dabei kann Jedermann für kleines Startgeld teilnehmen. Konkret geht es um einen 7,4 Kilometer Lauf links rum um die Alster.

Am Sonntag den 27. Mai um 10 Uhr ist es wieder soweit. Auf der Grillwiese am Schwanenwik geht der Lauf um die Außenalster los. 2017 liefen schon 1500-2000 Menschen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. In diesem Jahr werden sogar noch mehr Läufer erwartet. Bisher haben sich 2584 Läufer offiziell angemeldet. Weitere werden vor Ort folgen.

„Während die Rassisten der AfD mit ihrer Hetze gegen Geflüchtete und ihrer menschenverachtenden Politik überall an Zulauf gewinnen und in die Parlamente einziehen, setzen wir ein Zeichen gegen Faschismus, Rechtspopulismus und Fremdenhass, in dem wir gegen Rechts laufen.“ begründet der FC St. Pauli die Veranstaltung. 

Die bei dieser Veranstaltung gesammelten Gewinne gehen in voller Höhe als Spende an das Hamburger Bündnis gegen Rechts sowie Flüchtlings- und antirassistische Initiativen.

Dieses wirbt selbst mit dem Slogan „Kein Platz für Nazis und Rassismus“. Entschlossen vorgegangen wird dabei besonders gegen die NPD und die AfD.

Ihre größte Kampagne hat das Bündnis bei der Bürgerschaftswahl Brandenburgs im Februar 2008. „Keine Stimme den Nazis“ heißt ihre Aktion damals. Dabei plant man den Einzug von Neonazis in Kommunalvertretungen  zu verhindern. Dabei setzte man auf regionale Aktionen und die Aktivierung lokaler Akteure, wie Gewerkschaften und Antifagruppen.

Der FC St. Pauli erklärt seine Entscheidung der Spende so: „Wir wollen damit dessen wichtige Arbeit unterstützen, denn der Kampf gegen Faschismus, Rechtspopulismus und Fremdenhass kostet nicht nur Kraft und Mut, sondern auch Geld.“

Das Ziel der Aktionen gegen Rechts ist das aufmerksam machen der Bevölkerung. Nach wie vor werden zu viele politisch motivierte Straftaten begangen. Leidtragende sind dabei oft Asylsuchende und Migranten. Die Organisatoren wollen den Trend des Rückgangs an solchen Delikten weiter fördern.

"Es ist wichtig, ein klares Zeichen zu setzen und sich einzumischen.“ sagt Organisatorin Anke Kleinemeier.

Auch Prominente werden vom Lauf gegen Rechts angezogen. 

Dem Aufruf folgt unter anderem der ehemalige Fußballer vom FC St. Pauli Fabian Boll. "Man sieht ja, wohin die Welt driftet", begründet Boll seine Teilnahme. "Wenn man da mal ein kleines Zeichen setzt, indem man um die Alster läuft, dann passt das schon.“

Damit die Zahl der Straftaten rechter Täter und Gruppen nicht wieder steigt und weiter zurückgeht, muss jeder Bürger auf das Problem der Fremdenfeindlichkeit aufmerksam gemacht werden. Der FC St. Pauli trägt mit seinem Lauf gegen Rechts einen großen Teil dazu bei. Doch auch dieser Verein ist auf die Aufmerksamkeit Aller angewiesen und benötigt Unterstützung bei ihren Aktionen. Eine Mithilfe der Bevölkerung ist so unabdingbar.

Gemeinsam gegen Rechts.

Von Robin Dittrich
Veröffentlicht am 28.05.2018