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Brexit

Liebe Theresa, bleib doch noch

Quelle: Laura Czypull

Das Brexit-Drama geht in die Verlängerung: Am 29. März wären die Briten eigentlich aus der EU ausgetreten. Jetzt wurde ein neuer Aufschub gewährt. Mal sehen, ob es zum 31. Oktober endlich klappt. Wir glauben an euch, liebe Briten.

Am 29.3.19 war der Stichtag des EU-Austritts Großbritanniens und als Beobachter des Brexit-Dramas könnte man sich durchaus solche Art von Gedanken bei Theresa May zu diesem Thema vorstellen:

Irgendwie kam der so überraschend?! Wie konnten wir den nur die ganze Zeit übersehen? So unvorhersehbar!Hm... vielleicht haben sie Mitleid mit uns? Yes, hat geklappt- bis zum 12.4. haben wir ja noch so viel Zeit. Reicht doch, eine Woche vorher noch einmal drüber zu sprechen. Verdammt... wie kam ich nur darauf, dass das Unterhaus nach zwei Ablehnungen diesmal hinter mir steht? Können wir das Ganze nicht noch einmal verschieben? Sind doch nur Formalien! Okay, die Mitleidschiene kann ich nicht schon wieder fahren…Egal, sie haben es mir abgekauft- der 31.10.19 steht. Aber diesmal wirklich!

Erinnerungen an den Geschichtsunterricht: Daten über den 30- jährigen Krieg auswendig lernen… den Verlauf des zweiten Weltkriegs rekonstruieren… oh, oder Gepflogenheiten aus dem Dritten Römischen Reich kennenlernen. Das kommt alles definitiv nicht einmal ansatzweise an den derzeitigen undefinierbaren Zustand Großbritanniens in der EU an. Die armen Schüler, die den Brexit auf dem Lehrplan stehen haben und diese Daten in fünf Jahren vielleicht einmal Auswendiglernen müssen. Wobei- falls der Brexit bis dahin denn schon durch ist. 

Selbst auf das Abitur kann der Brexit Auswirkungen haben! Ein bislang unbeachteter, aber nicht minder wichtiger Aspekt, sind die zahlreichen Daten, die mittlerweile im Zusammenhang mit dem Brexit stehen. Dadurch wäre der Brexit für die aktuell tobende Debatte um die unterschiedlichen Abiturniveaus innerhalb Deutschlands ein neuer Gesichtspunkt, der die Wende in der Diskussion bringen könnte. Die Lösung: Eine allgemeine Erhöhung des Niveaus in allen Bundesländern. Die Begründung dazu liegt nahe: Da der Brexit so umfangreich ist, wird ihm höchstwahrscheinlich ein eigenes Kapitel im Lehrplan zugeschrieben werden. Statt den üblichen Abiturfragen in Geschichte zu Napoleon, dem Dritten Römischen Reich oder dem 30-jährigen Krieg, müssen ja jetzt ganze Bücher zu allen Daten der Brexitverhandlungen gewälzt und Aufsätze zum Austritt und den Hintergründen verfasst werden.

Es ist wie eine dieser Serien, die zu schlecht sind, um sie zu schauen, aber sobald man einmal anfängt, kommt man nicht mehr davon weg. Die EU blickt ähnlich gespannt auf den weiteren Verlauf der Brexit Abstimmungen. Oder gelangweilt. Oder beides. Die Luft wird dünn für Theresa May. Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Und kein vor oder zurück ist in Sicht. Man könnte auch von einer Sackgasse sprechen. Hinter ihr das Unterhaus, das den Weg zurück versperrt- mit dem Theresa May aber immer und immer wieder dieselben Verhandlungen führt. Und vor ihr der Europäische Rat, der ebenfalls die Wege in die Zukunft dicht macht.

Ihr bleiben noch folgende Möglichkeiten: Sie könnte zurücktreten, den EU-Austritt weiter vor sich herschieben oder das Unterhaus stimmt in einer vierten Verhandlung denselben Austrittsplänen zu, die schon dreimal abgelehnt wurden. Wie gesagt, die Möglichkeiten schwinden für die britische Premierministerin. Oder aber: Die Briten bleiben in der EU und sagen den Austritt ab. Also liebe Theresa, bleib doch noch. Wenigstens ein bisschen.

Von Laura Czypull
Veröffentlicht am 14.04.2019