Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Gesellschaft

#metoo - Die Macht eines Hashtags

Quelle: Pixabay

Der erfolgreiche Filmproduzent Harvey Weinstein wurde in einem Artikel der New York Times der sexuellen Belästigung beschuldigt. Der Start einer Bewegung, die viele Menschenleben ändern soll. Ein Jahr später betrachten wir, was dadurch ausgelöst wurde.

„Es geht nicht nur um Sex, es geht nicht nur um Hollywood. Es geht um Machtstrukturen, die überall (wirklich überall!) zu finden sind.“ (Barbara Vorsamer)

#metoo - Ein wundervolles Hashtag, das um die Welt ging und ein wichtiges Zeichen für Frauen und ihre Gleichberechtigung wurde. Vor knapp über einem Jahr rief die US-amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano nach dem Weinstein-Artikel dazu auf, dass Frauen ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Diskriminierung sowie das Ausnutzen mächtiger Männer am Arbeitsplatz unter dem Hashtag MeToo öffentlich teilen sollen. Dadurch sollte Frauen gezeigt werden, dass sie nicht allein sind, dass man gemeinsam etwas bewegen kann und es sollte endlich dagegen gekämpft werden, dass Frauen die Schuld für sexuelle Übergriffe bei sich suchen und sich schämen, statt mit dem Finger auf ihre Täter zu zeigen und sich zu wehren. Ein Jahr später kann man erkennen, was ein kleines Hashtag für ein gesellschaftlicher Erfolg werden kann.

Der Hashtag ist dabei nicht erst 2017 entstanden. Bereits 2006 benutzte die Aktivistin Tarana Burke ihn, um auf sexuelle Übergriffe gegenüber afroamerikanischen Frauen aufmerksam zu machen. Alyssa Milano knüpfte an diese Kampagne an, um zu zeigen, dass Frauen aller Welt hier zusammenhalten müssen. Es gibt keinen Platz für Rassismus, politische oder religiöse Differenzen, da Frauen jedes Landes, jeder Schicht und jedes Bildungsgrades sexuell belästigt werden und das Thema alle betrifft. 

Der Aufruf, endlich seinen Mund aufzumachen und gemeinsam etwas zu erreichen, war erfolgreich. Unzählige Geschichten wurden veröffentlich, viele Männer namentlich benannt und an den öffentlichen Pranger gestellt, um endlich Verantwortung für ihre Missetaten zu übernehmen. Den Twitterposts folgten ganze YouTube-Videos und Instagram-Beiträge, letztlich sogar ganze Leserbriefe in Zeitungen und Ausstellungen von Künstlern zu diesem Thema. Mit der #metoo-Bewegung wird Frauen eine Plattform gegeben, über wichtige gesellschaftliche Probleme zu sprechen und somit einen großen Schritt näher an die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern zu treten.

,,Mittlerweile herrscht eine andere Sicht auf Geschlechterrollen vor und wir können anfangen, uns damit zu beschäftigen, was hinter sexuellem Protzgehabe steckt: nämlich Unsicherheit und die Unfähigkeit auf einvernehmliche Weise intimen Kontakt zu Personen des anderen Geschlechts aufzunehmen'', schreibt eine Nutzerin bei Twitter.

Außerdem wurden viele prominente Männer öffentlich kritisiert. Den Frauen sollte die typische ,,Das glaubt mir doch sowieso keiner''-Einstellung endlich abgewöhnt werden. Die Erfolge sprechen für sich: Allein über 200 prominente Männer haben seit der Bewegung ihre Jobs verloren, weitere (unter anderem Harvey Weinstein) werden sogar rechtlich belangt. Im Vergleich dazu hat es für diese 200 Männer circa 920 Frauen gebraucht, die endlich ihre Geschichte erzählten. Das sind fast fünf belästigte Frauen auf einen Mann - ein weiteres Ziel der Bewegung für die Zukunft wäre es, diese Anzahl zu verringern, sodass die Glaubwürdigkeit einer einzelnen Frau nicht von Anderen abhängen muss. Eine weitere gute Nachricht ist, dass fast die Hälfte der Männer, die ihre Jobs verloren, durch Frauen ersetzt wurden. Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung.

Natürlich und zurecht erntet die Kampagne nicht nur positive Stimmen. Oftmals wird im Zusammenhang mit #metoo kritisiert, dass man kriminelle sexuelle Belästigungen nicht mit Sexismus im Arbeitsalltag vergleichen sollte, da es zwei verschiedene Dinge seien. Die Kampagne sollte Aufmerksamkeit darauf richten, dass viele Männer ihre übergeordnete Position am Arbeitsplatz ausnutzen - zum Beispiel Sex gegen Beförderung und in Hollywood gegen eine beliebte Filmrolle tauschten. Was als eine mutmachende Bewegung startete, sei laut Schauspieler Liam Neeson für viele Menschen zu einer Hetzjagd geworden. 

,,Da gibt es einige Leute, berühmte Leute, die plötzlich beschuldigt werden, ihre Hand auf das Knie irgendeines Mädchens gelegt zu haben oder so etwas. Und dann verlieren sie ebenso plötzlich ihren Job", kritisierte Neeson die Auswirkungen des Hashtags. Dieser Meinung schließen sich viele Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, an. Wo zieht man die Grenze? Muss man sich als Mann bei jeder netten Geste des Schultertätschelns nun Sorgen machen, fünf Minuten später in einem #metoo-Post bei Twitter verlinkt zu werden?

Fakt ist, die Bewegung ist wertvoll und wichtig. Allerdings sollte zwingend darauf geachtet werden, nicht alles übersensibel zu betrachten und zu vermischen. Denn das Angebot eines Chefs, eine Beförderung gegen Sex möglich zu machen, ist wohl immer noch eine andere Sache als ein Chef, der aufmunternd den Arm einer Mitarbeiterin berührt. Natürlich kann eine Frau sich von beidem belästigt fühlen, jedoch reicht bei letzterem wohl erst einmal die Aussage, dass man sich unwohl fühlt und nicht noch einmal berührt werden möchte. Mit einer großen Macht, egal ob bei Männern oder Frauen, geht auch eine gewisse Verantwortung einher.

Laut aktuellen Artikeln hat die Bewegung noch kein Ende genommen, für viele geht sie jetzt erst los. Auch Schauspielerin Jennifer Aniston glaubt an die Bewegung. Dass Männer ihre Machtpositionen künftig nicht mehr ausnutzen können, ist ein Erfolg. Allerdings ist es auch wichtig, dass Frauen untereinander lernen, zusammenzuhalten. ,,In meiner persönlichen Erfahrung bin ich von manchen Frauen in dieser Industrie verbal [...] noch schlimmer behandelt worden", erklärt sie.

Von Natascha Dammann
Veröffentlicht am 27.11.2018