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Toleranz

Mit Bademode ein Zeichen setzen

Symbolfoto einer Frau im Burkini / Quelle: Engin Akyurt über Pexels

Zum ersten Mal ziert ein Model nahezu gänzlich verhüllt das Cover eines berühmten Magazins für Bademode. Für viele ein wichtiger Schritt in einer überwiegend nach mehr Integrität strebenden Gesellschaft – aber eben nicht für alle.

Sobald es in den Medien und der Öffentlichkeit um Frauen, religiöse Überzeugung, oder – Gott bewahre - Sexualität geht, scheint es manchen Mediennutzer ganz besonders in den Fingern zu jucken, seine oder ihre Meinung dazu mit anderen zu teilen. Dieses war auch im Fall der Sports Illustrated nicht anders. Auf Twitter gab das Magazin über den Account „Sports Illustrated Swimsuit“ stolz den „historischen“ Moment bekannt, dass Halima Aden das erste Model sei, dass auf ihrem Cover mit Kopftuch und Burkini abgebildet wurde. Angefügt an den Post war selbstverständlich auch ein Bild des Covers, auf welchem Aden lächelnd und seitlich halb im Wasser liegend posiert. In den Kommentaren darunter scheint es - neben überwiegend leeren und schlichtweg sexistischen, sowie rassistischen Argumenten –  besonders religiös motivierte Kritik an dem Cover zu geben. Denn das Image der Sports Ilustrated sei nicht mit den Überzeugungen und Werten des muslimischen Glaubens vereinbar. Es wird bemängelt, dass, auch wenn Aden auf dem Cover entsprechend wenig Haut zeigt, sie trotzdem ein Magazin repräsentiert, in dem Frauen doch sonst nur als (Lust-)Objekte für Männer dargestellt würden. Und dieses sei für Anhänger des Islam nicht vertretbar.

Halima Aden ist ein somalisch-amerikanisches Model, geboren in einem Flüchtlingslager in Kenia und mit sieben Jahren in die USA gezogen. Seit diesem Jahr zählt sie zu einer Reihe erfolgreicher Models, wie Ashley Graham oder Barbara Palvin, die das Cover der jährlichen Bademoden-Ausgabe der Sports Ilustrated bisher zierten. Das Format des berühmten Magazins ist weltweit bekannt und erfolgreich und bildet jetzt auch Aden ab – aber eben nicht in einem Badeanzug oder Bikini. Das Model ist Muslima und trägt dementsprechend ein Kopftuch und einen sogenannte Burkini, eine Mischung aus Bikini und Burka, der als Badekleidung funktioniert, aber dennoch nackte Haut nur an Gesicht, Händen und Füßen erlaubt. Aden steht fest hinter den Werten und Ansichten ihrer Religion. Und zu denen gehört auch, dass Frauen und Mädchen sich nicht aufreizend kleiden sollten – sprich, nicht zu viel Haut zeigen und auch möglichst keine eng anliegende Kleidung tragen. 

Alles eine Frage des Feminismus?

Trotz Kritik von religiöser Seite, hat die Veröffentlichung des Covers den Nerv vieler (gläubiger) Mädchen und Frauen in positivem Sinne getroffen. Die Sports Illustrated wird dafür gelobt, die Grenzen der Definition von Schönheit zu erweitern und zudem Integrität und Offenheit zu vermitteln. Auch das Model selbst postete auf ihrem Instagram-Profil ein Foto ihres Erfolgserlebnisses und schreibt dazu: 

„Ladies, alles ist möglich! (…) In `Sports Illustrated` zu sein ist etwas so viel Größeres als ich. Es sendet eine Botschaft an meine Gemeinschaft und die Welt, dass Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund, Aussehen, Erziehung zusammenstehen und gefeiert werden können.“ 

Vielleicht sind genau diese Worte auch der Grund, weshalb es so viel Gegenwind in den sozialen Medien bezüglich des neuen Covers gegeben hat. Hier sind weniger die Kommentare mit religiösem Hintergrund gemeint, als all die angreifenden Beschimpfungen, sowie frauen- und islamfeindlichen Kommentare. Denn sich als Frau öffentlich durchzusetzen, der eigenen Überzeugung treu zu bleiben und gleichzeitig Mut und Stärke zu beweisen scheint für viele immer noch befremdlich - oder fast schon bedrohlich?

Von Pauline Brenke
Veröffentlicht am 06.05.2019