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Konzerne

Möbelriese als Samariter in Jordanien

In diesem Sommer baut Ikea Produktionszentren in Jordanien in denen Flüchtlinge und Einheimische arbeiten sollen.

Im Rahmen eines langfristigen Plans will der schwedische Möbelriese für 200.000 benachteiligte Menschen auf der ganzen Welt Arbeit schaffen. Bis August sollen die Produktionszentren in Jordanien in Betrieb gehen, in denen gewebte Produkte wie Teppiche, Kissen und Bettdecken hergestellt werden sollen. Zur Umsetzung ist Ikea dafür eine Partnerschaft mit der „Jordan River Foundation“ eingegangen. Diese wurde 1995 von Königin Rania von Jordanien gegründet. Das Projekt ist Teil, in einer Reihe von Arbeit bringenden Projekten in benachteiligten Ländern auf der ganzen Welt. Bisher konnten bereits 2.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

„Zweihunderttausend ist unser langfristiges Ziel“, sagte Jesper Brodin, der CEO of range and supply. „Es kann 10 Jahre dauern. Wir wollen, dass diese Leute unsere zukünftigen Lieferanten sind.“ Um dieses Ziel zu erreichen wird Ikea außerdem mit sozialen Organisationen zusammenarbeiten, die eine Beschäftigung bieten und gleichzeitig die Einhaltung von Standards für die Arbeitsbedingungen und die Produktionsqualität gewährleisten. So können auch Unternehmen, die sonst zu klein sind, um die Lieferantenrichtlinien von Ikea zu erreichen, Teil der Wertschöpfungskette werden. In den nächsten Wochen wird Ikea ein Team von Designern nach Jordanien schicken, um die Art der produzierten Produkte zu definieren.

„Es geht darum, lokale Techniken und Kenntnisse zu verwenden“ sagte Brodin weiter. „Wir wissen, dass wir gewebte Sachen machen werden und wir Dinge tun, die handgefertigte Elemente haben, denn das sind die Handwerke, die diese Leute besitzen.“ Wahrscheinlich wird Ikea Maschinen nach Jordanien bringen, um alles etwas zu beschleunigen. Wie das allerdings genau aussehen wird, ist noch unklar. Die Produktionszentren werden sich in und um Amman im Norden Jordaniens, an der Grenze zu Syrien, befinden. Hier leben geschätzt 1,3 Millionen Flüchtlinge in Flüchtlingslagern, die sich seit dem Bürgerkrieg 2011 hier nieder gelassen haben. Doch nicht nur Flüchtlinge sollen in den Zentren Arbeit finden, sondern das Projekt soll auch der jordanischen Bevölkerung zugute kommen.

Zuerst werden die Produkte im Ikea-Geschäft in Jordaniens Hauptstadt Amman angeboten, bevor es sie danach auf der ganzen Welt zu kaufen geben wird. Natürlich ist fraglich, ob Ikea das alles wirklich nur aus reiner Nächstenliebe macht oder die Hauptziele nur gute Publicity und eine gute PR-Kampagne sind. Brodin jedenfalls sagt, dass große Konzerne die Verantwortung hätten, aktiv zu sein, um die Probleme der Welt zu bewältigen.

Seit dem Jahr 2013 ist Ikea zunehmend im humanitären Sektor tätig. Die Initiative dazu kam von Hans Rosling, einem Demografen, der Ikea über Sozial- und Umweltstrategien beriet. Gemeinsam mit der UN-Flüchtlingsagentur entwickelte die Ikea-Foundation ein Flat-Pack-Flüchtlingsheim.  Diese Unterkünfte sind nach dem Prinzip „Billy-Regal“ konzipiert – flach und stapelbar für den Transport. Ihr Vorteil zu den herkömmlichen Zelten ist sofort erkennbar. Sie sind stabiler, besser isoliert, gewähren mehr Privatsphären und mit integriertem Solarmodul liefern sie auch noch den benötigten Strom. Das Flüchtlingsheim wurde mit dem Beazley Design 2016 ausgezeichnet.

Von Michelle Kastrop
Veröffentlicht am 05.06.2017