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Kino

Monsieur Claude und seine Vorurteile 2

Quelle: pexels.com

Der zweite Teil der französischen Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ ist am 04. April 2019 in die deutschen Kinos gekommen. Der erste Teil hat mit seinem gewagten Humor Millionen Zuschauer begeistert. Doch kann der zweite Teil da mithalten?

Weiß, reich, katholisch: Claude Verneuil stellt den typischen konservativen Franzosen dar, der mit Ausländern nichts am Hut haben will. Ein großes Spektakel also, wenn er von einem Moment auf den anderen damit leben muss, dass jede seiner vier Töchter sich einen Ehemann geangelt hat, der eine Minderheit vertritt. Nun muss Monsieur Claude also einen Juden, einen Muslimen, einen Chinesen und einen Schwarzen in der Familie willkommen heißen, was ihm alles andere als leicht fällt.

Dies ist nun fünf Jahre her, denn die besagte Geschichte wurde 2014 in der französischen Komödie Monsieur Claude und seine Töchter thematisiert. Der Film war ein Riesenerfolg. Mit 4 Millionen Zuschauern hier in Deutschland und sogar 12 Millionen Zuschauern in Frankreich spielte die Komödie in den Kinos fast so eine große Rolle wie Blockbuster. 

Um sich noch einmal in dem Erfolg zu sonnen, wurde dieses Jahr eine Fortsetzung des Films in die Kinos gebracht – die leider ganz und gar nicht an das Original herankommt. Die Handlung des zweiten Teils zusammenzufassen, ist eine Herausforderung, da man sich zuerst die Frage stellen muss, ob es dort denn sowas wie eine Handlung gab.  Am Anfang des Films könnte man denken, dass es um eine Reise der Mutter und des Vaters durch die Welt geht, um die Eltern ihrer Schwiegersöhne und deren Heimatländer kennenzulernen. Dieser Handlungsstrang wird jedoch auf Reisevorbereitung, Rückflug und einer kleinen Zwischenszene beschränkt, wodurch natürlich einiges am Budget gespart wurde. 

Ein wenig Hoffnung darauf, dass diese Handlung doch aufgenommen wird, kommt an der Esstisch-Szene auf, wie man sie auch aus dem ersten Teil kennt. Hier sitzt die ganze Familie zusammen und alle warten gespannt auf die Erzählungen der Eltern, die gerade von ihrer Reise zurückgekehrt sind. Als die Schwiegersöhne sich nacheinander über die Reise in ihr Heimatland erkundigen, haut Claude ein Klischee nach dem anderen heraus und erweckt damit den Eindruck, die Länder gar nicht besucht zu haben. Eher wirkt es so, als hätten die beiden sich eine Auszeit gegönnt und den Kindern nichts davon erzählt. Wenn dies der Fall gewesen wäre, und es aufgeflogen wär, hätte ja die gesamte Familie die besagte Reise unternehmen können und es wären viele Vorlagen für einen unterhaltenden Film entstanden.

Leider wurde diese Erwartung aber nicht erfüllt und es ging weiter mit einer Szene nach der anderen, wo man als Zuschauer vergeblich versucht, an einem Handlungsstrang festhalten zu können. Nach etwa der Hälfte des Films kommt dann doch ein roter Faden in die Geschichte: Die vier Töchter und ihre Ehemänner sind von ihrem Heimatland Frankreich enttäuscht und planen jeweils auszuwandern. Sobald die Familienoberhäupter Claude und Marie davon erfahren, versuchen sie, die Schwiegersöhne von der Schönheit Frankreichs zu überzeugen, damit ihre Familie sich nicht rund um den Globus verteilt.

Lobenswert sind allerdings die Schauspielleistungen in diesem Film - Jeder lebt das Klischee, das er darstellt, vollkommen aus und ist sich deren Ironie bewusst. Christian Clavier, der in diesem Film Monsieur Claude verkörpert, gilt nicht zu Unrecht als einer der gefragtesten Schauspieler Frankreichs. Und auch die anderen verkörpern ihre Rollen ziemlich treffend. Was im ersten Teil noch für Begeisterung gesorgt hat, ist im zweiten Teil ein wenig fragwürdig geworden: Denn der ausländerfeindliche Humor von Monsieur Claude überschreitet das ein oder andere Mal die Grenzen. 

Es ist schwer, bei politisch inkorrekten Aussagen die Balance zwischen Humor und Rassismus zu halten, und an einigen Stellen sind sie wohl ein wenig in die falsche Richtung abgerutscht. Die politische Inkorrektheit dieses Films verfehlt nun meist den Humor und setzt eher Assoziationen wie Hass und Gewalt mit diesen Aussagen in den Vordergrund. Vielleicht liegt dies an einem Wandel in der Gesellschaft, vielleicht wurden aber auch im ersten Teil bereits alle erlaubten Witze abgearbeitet. Den zweiten Teil hätte man sich somit aber auch eigentlich sparen können. 

Von Shiva
 Oskui
Veröffentlicht am 14.04.2019