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Polizeigewalt

Mord an George Floyd

Quelle: fuzzedupbear

George Floyd wurde kaltblütig von einem Polizisten ermordet. Die USA haben ein ernst zu nehmendes Rassenproblem.

„I can’t breathe“ - In den vergangenen Tagen ging eine Exekution durchs Netz. Nach der Warnung „Dieser Post enthält verstörenden Content“ startet ein 10-minütiges Video eines Mordes, das den kaltblütigen Mord eines Polizisten an einem Afro-Amerikaner zeigt.

Am 25. Mai 2020 wurde George Floyd, ein unschuldiger Afroamerikaner, auf offener Straße von Polizisten ermordet. Und dank der raschen Verbreitung durch Social Media gibt es dafür nun den ultimativen Beweis. Vier Polizisten nahmen den unbewaffneten Floyd fest, weil dieser vorher in einem Geschäft versucht hatte, mit einem gefälschten 20 Dollar Schein zu bezahlen. Plötzlich wurde er bei seinem Auto zu Boden gerungen und der Polizist Derek Chauvin kniete sich auf seinen Nacken, um ihn festzuhalten. Floyd betont wiederholte Male, dass er nicht atmen könne, doch der Polizist reagierte nicht, sondern guckte eiskalt, geradezu frech, in die Kamera der Menschen, die sich um die Szene angesammelt hatten. Diese versuchten, auf die Polizisten einzugehen, sie sollen seinen Puls checken, es sähe aus, als wäre Floyd gestorben. Doch der Kollege von Chauvin hielt sie zurück und warnte sie, Abstand zu halten. Die Szene endet damit, dass ein Krankenwagen kommt und Chauvin endlich von Floyd ablässt. Aber es ist zu spät. Zu diesem Zeitpunkt hat Chauvin bereits einen Mord begangen.

Und dies nicht zum ersten Mal. 2011 erschoss Derek Chauvin unberechtigt den Alaskan Native American Leroy Martinez.

2008 schoss er auf den unbewaffneten 21-jährigen Schwarzen Ira Latrell Toles.

Außerdem war er daran beteiligt, als mehrere Polizisten den Latino Wayne Reyes mit 16 Kugeln im Körper erschossen hatten, 42 Schüsse sind gefallen.

Als wäre das noch nicht genug, liegen bereits fast zwanzig Brutalitäts-Beschwerden gegen ihn im Bundesstaat Minneapolis vor, gegen die alle nicht vorgegangen wurde.

Das Video jagt Angst ein, doch es ist kein Einzelfall. Seit Anfang der Geschichte des Landes dominieren die Weißen das Land und unterdrücken die Schwarzen. Die Geschichte beginnt mit Sklaverei und ist immernoch nicht bei Gleichberechtigung angekommen. Schwarze haben schlechtere Bildungschancen, schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem, was vor allem jetzt zur Zeit einer Pandemie Auswirkungen hat, und sind auch im Alltag in den meisten Bereichen untergeordnet. Sie müssen sich mit alltäglichem Rassismus auseinandersetzen. Vor allem ist es in den USA ein Thema, dass Kinder von Dunkelhäutigen schon früh ein Gespräch führen müssen, das mit weißen Kindern nicht geführt wird: Wie man sich verhalten muss, wenn sie mit der Polizei in Kontakt kommen. Denn anstatt den Satz "Die Polizei - dein Freund und Helfer" eingetrichtert zu bekommen, muss ihnen beigebracht werden, Angst zu haben und extrem vorsichtig mit der Polizei umzugehen, da sonst ihr Leben in Gefahr ist. Wie das von George Floyd.

Während der letzten Tage gab es zahlreiche Proteste in mehreren amerikanischen Bundesstaaten. Was als friedlicher Protest begann, mit Schweigeminuten und Strecken der Faust, die für die #BlackLivesMatter Bewegung steht, eskalierte schnell. In den Medien wird nun gezeigt, wie Gewalt auf den Straßen ausbricht. Die Proteste werden zu Aufständen. Doch die Gewalt geht nicht nur von den Demonstranten aus. Ironischerweise ist Polizeigewalt auf den „Protesten gegen Polizeigewalt“ auch sehr präsent. So kursieren jetzt beispielsweise Videos, wie ein Polizist eine Demonstrantin mit enormer Kraft wegschubst, so dass sie einige Meter weit fliegt, oder wie ein Polizist mit einem Pferd über eine Demonstrantin trampelt.

Die sozialen Medien werden von diesem Thema beherrscht. Hitzige Diskussionen und aussagekräftige Videos werden nun verbreitet. Menschen mit großer Reichweite nutzen ihre Plattform, um ihre Meinung zu äußern.

Das Problem, das nun angesprochen wird, ist nicht nur der offensichtliche Rassismus, wie man ihn bisher kennt. Der Terminus wird ausgeweitet zu den Leuten, die sich als „farbenblind“ bekennen, also keine Unterschiede in der Herkunft sehen wollen. Die Menschen sollen gleichbehandelt werden, aber gleichzeitig darf man nicht außer Acht lassen, dass nicht alle Menschen die gleichen Voraussetzungen haben und manche einfach mehr Hilfe und Unterstützung benötigen als andere. Als Konterbewegung zu Black Lives Matter ist die Bewegung von All Lives Matter entstanden, über die sich nun beschwert wird.

Billie Eilish, eine 18-jährige Sängerin mit 63 Millionen Followern schrieb dazu auf Instagram: „Ich erkläre euch das mal so, als wäret ihr Kinder, weil es sich so anfühlt als wäre das die einzige Weise, wie ihr es versteht: "Wenn ein Haus brennt und jemand da noch drin steckt, soll die Feuerwehr dann jedes Haus abklappern, weil sie alle gleich wichtig sind? NEIN, weil die keine Hilfe brauchen, sondern nur die Person in dem brennenden Haus.“ Sie betont, wie viele andere auch, dass weiße Menschen ihr Privileg anerkennen sollen und den Unterschieden nicht blind gegenüberstehen sollen.

Die amerikanische Moderatorin Kamie Crawford hat ihre Meinung zu dem Thema in den letzten Tagen lautstark geäußert. „Wenn du dein Privileg nicht erkennst, bist du Teil des Problems“, spricht sie die Weißen an. Sie meint, diejenigen, die nicht für schwarze Menschen einstehen, wenn sie rassistische Kommentare hören, gelten für sie auch als Rassisten. „Wenn du kein Verbündeter bist, bist du ein Feind.“

 

Während der US-Präsident Trump, bekanntermaßen ein Rassist, mit Tweets reagiert, die sogar von Twitter gesperrt werden und sich in seinem Bunker versteckt, äußert sich der ehemalige Präsident Obama mit passenden Worten, die man eigentlich von einem Staatsoberhaupt erwartet.

Obama zitierte auf Twitter Nachrichten seiner Freunde, die ihn erreicht haben. „Das Knie auf dem Nacken ist eine Metapher dafür, wie das System so unbekümmert schwarze Menschen unterdrückt und die Hilferufe ignoriert.“ Doch nicht nur mit Zitaten, auch mit eigenen Statements äußert er sich zur Situation: „Man soll sich nicht wünschen, dass alles zurück zum Alten geht, denn das alte Normal bedeutet schmerzhafterweise für Millionen Amerikaner, dass sie aufgrund ihrer Herkunft anders behandelt werden.“ Danach nimmt er Bezug auf Fälle der Gewalt gegen Schwarze in den vergangenen Jahren. „Dies sollte nicht ,normal‘ für Amerika in 2020 sein. Es kann nicht normal sein.“ Man solle zusammen auf ein neues Normal hinarbeiten.

Derek Chauvin wurde nun des Mordes angeklagt, verurteilt wurde er allerdings noch nicht. Vertreten wird er durch einen Anwalt, der bereits einen Fall für einen Polizisten gewonnen hat, der ebenfalls unbegründet einen Schwarzen getötet hatte.

Chauvin gehört ins Gefängnis für den Mord an George Floyd. Seine drei Kollegen ebenso, weil sie nicht eingeschritten sind. Leider ist es trotz der großen Proteste und der Banalität des Faktes, dass die Polizisten einen Mord begangen haben, noch keine Selbstverständlichkeit, dass die vier beteiligten Polizisten dafür im Gefängnis landen.

Doch die Täter müssen für ihre Tat büßen. Die Polizei muss ihr Verhalten ändern. Und die USA muss endlich etwas gegen ihr Rassenproblem unternehmen.

#justiceforGeorgeFloyd

Von Shiva
 Oskui
Veröffentlicht am 31.05.2020