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Osterstreiks am Hamburger Flughafen

Die Gewerkschaft Ver.di ruft in der Osterwoche beim Bodenpersonal des Hamburger Flughafens zu Kurzfristig angesetzten Warnstreiks auf. Tausende Reisende müssen mit Flugausfällen und Verspätungen bei ihren Reisen über Ostern rechnen.

Tausende Reisende müssen sich in der Woche vor Ostern auf Flugausfälle und Verspätungen am Hamburger Flughafen einstellen. Denn am Hamburger Flughafen sind Streiks des Bodenpersonals angekündigt.

Am Freitag, 12.04., war ein von Ver.di an die Flughafen-Tochtergesellschaft HAM Ground Handling GmbH gestelltes Ultimatum abgelaufen. Die Gewerkschaft forderte eine Verbesserung des letzten Angebots der Arbeitgeber. Nun droht Ver.di mit Warnstreiks in der Osterreisezeit. „Wir werden auf jeden Fall in der Osterwoche streiken, und zwar richtig!“, sagte Domenico Perroni der Verhandlungsführer der Gewerkschaft dem Hamburger Abendblatt.

Flughafensprecherin Katja Bromm gab gegenüber dem Spiegel an, dass in der Zeit um Ostern täglich ungefähr 50.000 Passagiere am Hamburger Flughafen erwartet werden. Sie sagte: „Solche Warnstreiks haben für den Flughafen immer die gleichen Auswirkungen, es kommt zu Verspätungen und Flugausfällen. Für die Reisenden macht es jedoch einen Unterschied. Sie trifft es am härtesten, wenn die Gewerkschaft unangekündigt streikt.“ In solchen Fällen hätten die Fluggesellschaften nämlich nicht genügend Zeit um die Urlauber über Flugstreichungen zu informieren. Das ist besonders in der Osterzeit für viele Passagiere sehr ärgerlich, denn viele kommen wegen der Streiks entweder verspätet oder garnicht zu ihren Familien.

Im Rahmen des Tarifstreits zwischen Ver.di und HAM Ground Handling war es schon im Februar und März mehrfach zu Warnstreiks beim Bodenpersonal des Hamburger Flughafens gekommen. Die Gewerkschaft setzt sich in den Verhandlungen für höhere Löhne und mehr Entwicklungsperspektiven für die rund 950 Beschäftigten ein, welche in Gepäckabfertigung, Flugzeugreinigung und im Bustransfer am Flughafen tätig sind. Bis März waren schon fünf Verhandlungsrunden gescheitert.

Ende März schien dann eine Lösung des Konflikts erreicht zu sein, denn in der sechsten Verhandlungsrunde hatten sich Ver.di und die Flughafentochter HAM auf einen Kompromiss geeinigt. In drei Stufen und bei einer Laufzeit von 20 Monaten sollten die Beschäftigten Lohnerhöhungen zwischen 140,74 Euro und 209,84 Euro erhalten.

Die Mitglieder der Gewerkschaft lehnten diesen Kompromiss vergangene Woche allerdings mit einer Dreiviertelmehrheit ab. „Die Beschäftigten halten das für zu wenig.“, gab Domenico Perroni gegenüber dem Hamburger Abendblatt an. Ver.di stellt jetzt drei neue Forderungen auf. Erstens sollte der von der Stadt geplante Mindestlohn von zwölf Euro statt im April 2020 schon zum Beginn des nächsten Jahres erreicht werden. Ihre zweite Forderung ist, dass die zweitniedrigste Lohngruppe mehr als die geplanten zwölf Euro bekommen soll. Außerdem sollte die Zahl der Lohngruppen von vier auf fünf steigen, auf diese Weise soll eine Entwicklungsperspektive geschaffen werden.

Der Flughafen lehnt Neuverhandlungen allerdings ab. Auch bei Christian Noack, Geschäftsführer der HAM Ground Handling GmbH, stoßen die Forderungen der Gewerkschaft auf Kritik: „Mit dem Widerruf der Tarifeinigung ist Ver.di zu weit gegangen. Der neue Forderungskatalog ist aus dem Geschäftsbetrieb nicht finanzierbar.“

Die Mitglieder der Gewerkschaft DBB/Komba stimmten dem Ende März getroffenen Tarifabschluss allerdings zu. HAM Ground Handling erklärte, dass man an dieser Tarifeinigung festhalten wolle. Der Ver.di Verhandlungsführer Perroni rechnet aber nicht damit, dass durch die Einigung mit der deutlich kleineren Gewerkschaft weniger Personen an den bevorstehenden Streiks teilnehmen werden.

 

 

Von Joshua Kind
Veröffentlicht am 05.05.2019