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Kino

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu ist ein Feuerwerk der Spezialeffekte, des Humors und der Fannostalgie. Ryan Reynolds brilliert in seiner Darstellung des putzigen Meisterdetektiven Pikachu.

Mit dem Liveactionfilm „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ wagt das Pokémon Franchise seinen Sprung in die Welt der Blockbuster. Regisseur Rob Letterman soll diesen Sprung möglich machen.

Zu diesem Zweck brennt Letterman ein vielseitiges Feuerwerk des Humors, des CGI und der puren Fan Nostalgie ab. Unterstützt wird er dabei von dem bekannten Schauspieler Ryan Reynolds, welcher dem Meisterdetektiv für diesen Film nicht nur seine Stimme, sondern auch seinen einzigartig charmanten Humor borgt. Ein Erlebnis, das durch Justice Smith abgerundet wird, der die Rolle des jungen und oft überforderten Tim Goodman perfekt erfüllt.

Lettermans Einstieg in seine eigene Version des Pokémon Universums ist für Kenner der Videospiele wie das Eintauchen in eine Kindheitserinnerung. Man sieht den 21 Jahre alten Tim Goodman und seinen Freund, die ein Partner-Pokémon für Tim fangen wollen. Der junge Versicherungsangestellte stellt sich „im hohen Gras“ allerdings denkbar ungeschickt an. Doch nach dieser kurzen Einführung fängt die Handlung erst richtig an, im Folgenden erfährt Tim, dass sein Vater, der Privatdetektiv Harry Goodman nach einem Unfall spurlos verschwunden und mutmaßlich tot ist. Sofort macht er sich auf den Weg in die Metropole Ryme City, einem Ort wo Pokémon und Menschen in perfekter Harmonie leben. Nachdem sich Tim die Schlüssel seines Vaters vom lokalen Kommissariat abgeholt hat, begegnet er vor dessen Wohnung Lucy (Kathryn Newton), einer jungen Frau, die von sich selbst behauptet, eine aufstrebende Jungjournalistin zu sein. Kurz darauf kommt es zum ersten, wunderbar witzigen Zusammentreffen mit Pikachu, dem ehemaligen Partner-Pokémon seines Vaters. Das erstaunliche daran, Tim versteht die knuffige Elektromaus, und zwar nicht nur Pikachus bekannten Ausruf „Pika, Pika“, sondern alles was der selbsternannte Meisterdetektiv sagt.

Während sich die Geschichte entwickelt werden immer neue Pokémon gezeigt und die bieten den Zuschauern oft Grund zum Staunen. Denn was „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ insbesondere auszeichnet, sind die detailgetreuen Darstellungen der verschiedenen Pokémon. Sei es nun Glurak, das sich feuerspeiend und brüllend in die Lüfte schwingt, oder die kleine Schar Bisasam, welche Tim während einem Abschnitt seines Weges begleiten, sie alle sind bis auf die letzte Schuppe, Feder oder das letzte Stück Fell perfekt animiert. CGI macht’s möglich. Besonders auffällig ist hierbei Pikachu, welches in einem Umfang detailgetreu in Szene gesetzt wird wie man es in kaum einem Film bisher erleben konnte. Sein Fell wird vom Wind bewegt, vom Wasser durchnässt und vom Staub verdreckt. Was den kleinen Meisterdetektiv noch außergewöhnlicher macht, ist allerdings die Tatsache, dass sich sämtliche von Reynolds Gesichtszügen auf dem süßen Gesicht der kleinen Maus widerspiegeln.

Diese Glanzleistung der modernen Computertechnik wird begleitet von Reynolds originellen Witzen, mit denen er dem Film zusätzlich seine ganz persönliche Note verleiht. Denn Pikachu ist nicht nur gut animiert. Das kleine Energiebündel überzeugt auch durch seinen einzigartigen Charakter. So zeichnet er sich beispielsweise durch eine gewisse Koffeinsucht aus was den Meisterdetektiv oft hyperaktiv erscheinen lässt. Dies gibt in vielen Szenen Anlass zum Schmunzeln. Brillant ist auch sein Umgang mit Lucys Partner-Pokémon Enton, welches bei zu viel Stress eine riesige Druckwelle aussendet. So gibt Pikachu dem dauergestressten Wesen in einer Szene widerwillig eine Fußmassage um eine „Explosion“ der Psycho-Ente zu verhindern.

In den Film steigt man zwar nicht mit der aus den Spielen gewöhnten Einführung durch einen Pokémon Professor ein, dennoch ist Pokémon Meisterdetektiv Pikachu ein großes Nostalgie Easter-Egg für Fans, in dem viele der beliebtesten Monster ihren Weg auf die große Leinwand finden. So trifft man in diesem Film immer wieder auf klassische Szenen aus Serie und Spielen. Die Zuschauer werden aber auch durch ganz neue Aspekte des Pokeversums überrascht.  Man begegnet beispielsweise dem altbekannten Kraftprotz Machomei, der mit seinen vier Armen hilft den Straßenverkehr kontrolliert, und kann einer putzigen Truppe Shiggys dabei zusehen wie sie mutig die lokale Feuerwehr unterstützen. Szenen, die auch für eingefleischte Fans ein ganz neuer Anblick sind.

Leider kann der Film trotz seiner vielen, häufig humorvollen, Höhepunkte nicht auf voller Linie glänzen, denn einige Action-Szenen wirken nicht wie zu Ende gedacht. Als sich beispielsweise der Boden unter den Füßen von Tim und Lucy teilt, weil sich riesige Chelterrar aus ihrem Schlaf erheben, lässt das Fanherzen erstmal höherschlagen. Wenige Momente später legen sich die riesigen Schildkröten mit Wäldern auf ihren Rücken allerdings auch schon wieder hin und lassen die Fans unbefriedigt zurück. Es scheint in diesem Moment fast so als wäre den Filmemachern plötzlich aufgefallen, dass sie diese Giganten in ihr Werk kaum langfristig einbinden können.

Alles in allem ist „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ aber ein gelungenes Spektakel, das Fanherzen höher schlagen lässt und einen auf ganz neue Weise in die Welt der Pokémon entführt..

Besonders in Sachen Humor kann diesem Blockbuster kaum einer etwas vormachen. Wie es schon die letzte Marketing Aktion für den Film bewies. Das Marketing Team hatte sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. In einer Reihe von Tweets teilte Reynolds den Link zu einer angeblich geleakten Version des Films. Wer sich das Video ansieht, mag zuerst vielleicht sogar denken, dass es sich um das Original handelt, doch nach kurzer Zeit bricht der Film plötzlich ab und die verbleibenden 140 Minuten kann man Meisterdetektiv Pikachu beim Tanzen zusehen.

Ein gelungener Marketing Gag!

Von Joshua Kind
Veröffentlicht am 11.05.2019