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Trumps US-Präsidentschaft

Tag Null

Die Symbolische Flamme der Statue of Liberty stand für ein freies unabhängiges Amerika.

Frisch gefärbte Haare, ein von Herzen kommendes Lachen auf den Lippen, der jubelnde Populist. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch fand der krönende Abschluss des Wahlkampfes um den 45. Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika statt. Es ist entschieden, die westliche Weltmacht in den Händen eines rassistischen Republikaners.

Gestern wurde Geschichte geschrieben: Es wurde nicht die erste weibliche Präsidentin für Amerika, sondern ein Mann der eine Mauer bauen will, ein Mann der Mexikaner als Kriminelle und Vergewaltiger bezeichnet und ein Mann der seine Tochter auf eine ganz spezielle Art lieb hat.

Noch nie konnte man das Wort Wahlkampf so wörtlich nehmen. Bis zum Ende blieb es spannend, das Kopf-an-Kopf-Rennen der unbeliebtesten Kandidaten seit es Umfragen gibt. Wichtig war der Kampf der Giganten, während die eigentliche Politik mehr und mehr im Hintergrund verschwand. Die mediale Berichterstattung konzentrierte sich zwar auf den großkotzigen Immobilientycoon, dabei wurde auch an Hillary Clinton kein gutes Haar gelassen. Und dennoch die weltweite Überraschung: Donald Trump wird Präsident.

Mit knappen fünf Punkten Vorsprung startete Hillary Clinton in das Wahlkampffinale am Montag. Je näher wir dem Entscheidungstag kamen, desto mehr schrumpfte der Vorsprung der Demokratin. Und das nicht ohne Grund, die fehlende Transparenz war gefundenes Fressen für Gerüchte und Spekulationen.

Und das nicht ohne Grund, denn die vier Tage vor der Wahl bekannt gewordenen neuen Brieffunde Hillarys verärgerten einige Unterstützer. Der Wikileaks Gründer Julian Assange erhob, auf dem russlandnahen Nachrichtenportal „Sputnik“ schwere Anschuldigungen gegen die Präsidentschaftskandidatin. Seinen Vorwurf, das die gemeinnützige Clinton Stiftung von denselben Quellen finanziert wird wie der IS, stützt Julian Assange auf eine 2014 aufgetauchte Mail zwischen Hillary und ihrem damaligen Wahlkampfmanager John Podesta, aus denen interpretiert wird, dass der IS von den Regierungen Saudi-Arabiens und Katars finanziert wird.

Weltweit sitzt der Schock über Trumps Sieg noch tief. Ein, zwei Schwarzmaler hatten es zwar prophezeit aber niemand hat es ernst genommen. Wie groß das Ausmaß seiner Zerstörung der Freiheit sein wird und ob er seine Ankündigungen einlöst, bleibt abzuwarten.

Aber gewonnen ist gewonnen  Amerika hat verloren. Eine ganze Nation, sogar die ganze Welt hielt die Luft an. Unsere Hoffnung hieß Hillary Clinton. Die Frau die Amerika wirklich wieder „Great“ machen sollte.

Durch ihre mangelnde Menschlichkeit, wirkte sie im Gegensatz zu Donald Trump weniger authentisch.   Jedoch zeigte sich in ihrer Vergangenheit das Menschlichkeit nicht gut zu ihr passte, ob bei ihrer ersten Kandidatur 2008 oder als sie 2016 den Ground Zero verlassen musste aufgrund einer Lungenentzündung. Schwäche zeigen, als Frau, kann sie sich nicht erlauben. Jedoch wird genau das beklagt. „Hillary, wo bleibt deine menschliche Seite?“, sogar ihr Kollege, der Demokrat Tom Nides betitelte sie als „Politikmaschine“.

Clintons politische Positionen beinhalteten wohl zu wenig Veränderung. Während sie den Plan verfolgte einen leichteren Zugang zu Universitäten zu schaffen, durch wegfallende Studiengebühren für ärmere Haushalte, kam das Thema Bildung beim zukünftigen Präsidenten gar nicht erst zur Sprache. Den Mindestlohn wollte sie erhöhen und die Illegalen Einwanderer sollten die Möglichkeit bekommen die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Wie sein Mantra „Amerika First“ schon deutlich macht, steht er Ausländern und besonders Muslimischen Flüchtlingen nicht so aufgeschlossen gegenüber.

Der Verlust vieler potenzieller Anhänger, lag an Hillary Clintons Wunsch die Waffenlobby einzugrenzen. Dieser Punkt führte beim Wahlkampf zu größeren Diskussionen unter den Kandidaten. Der Republikaner will waffenfreie Zonen an Schulen abschaffen, seine Argumentation dabei ignoriert die Gefahr durch Amokläufe. „Wisst ihr, was eine waffenfreie Zone für einen Perversen ist?", fragte Trump seine Anhänger, "Sie ist ein Köder." Jetzt noch Unvorstellbarer - ein Amerika mit weniger Waffengewalt.

Ein Mann, der einige Regeln gebrochen hat. Ein Mann der Ethische Gruppen, Frauen und Menschen mit Behinderungen veralberte und beleidigte. Gewann er aufgrund Hillarys fehlender Menschlichkeit? Sie war nicht die Kandidatin der Herzen, sondern für viele das kleinere Übel. Nun wird ein Faschist an der Macht kommen, mit keinerlei politischen Qualifikationen, und das Land spalten. Wie groß das Ausmaß seiner Zerstörung der Freiheit sein wird, bleibt abzuwarten.

Trump und Clinton Anhänger unterscheiden sich in drei Kriterien: Glaube, Bildung und Wohnort. So wählten meist die weniger religiösen, mit Hochschulabschluss aus den Großstädten die Demokratin. Die Politikverdrossenheit der jüngeren Generationen, brachten Donald Trump den Sieg, er schaffte es, das Gesicht der Veränderung für die unzufriedene Landbevölkerung zu werden. Genauso war die mangelnde Wahlbeteiligung der Studenten und Schüler, zuvor am Brexit „schuld“, womit auch niemand gerechnet hatte.

Man darf aber das Positive des ganzen nicht außer Acht lassen: Der weltweite Schock, kann zum Weltweiten Wachrütteln werden. Um einer rechtspopulistischen Regierung entgegenzuwirken und dieser in Deutschland und anderen Ländern keine Chance zu geben, sollte die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit der Politik verinnerlicht werden. Bis zum September 2017 haben wir noch Zeit um es bei uns nicht so weit kommen zu lassen.

 

 

Von Sophia Fenske
Veröffentlicht am 12.11.2016