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Umwelt

Tief Luft holen!

Keine Passagierflugzeuge, weniger Autos, weniger Schiffverkehr, Produktionsstopp. Die Welt steht still. Die Erde atmet auf. Satelitenkarten zeigen uns, dass die Luftverschmutzung seit Corona drastisch gesunken ist. Was können wir daraus lernen?

„Für die Umwelt ist das Virus eine Wirtschaftskrise mit positiven Auswirkungen: Durch den Stillstand der Industrie entstehen weniger Einträge in die Böden und Gewässer, weniger Verschmutzung und der Rohstoffverbrauch sinkt mit dem Rückgang der Produktion", erklärt Dr. Johannes Schuler, Projektleiter für Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung gegenüber National Geographic. Laut neuester Berichterstattung werde Deutschland aufgrund der Maßnahmen gegen Corona nun doch sein Klimaziel für 2020 erreichen. 

In den sozialen Medien kursieren Bilder von sauberen Gewässern und von Beispielen, wie in Venedig, wo die Fische zurück in die Kanäle gekehrt sein sollen. 

Vielen gefällt der Gedanke, dass das Klima jetzt endlich aufatmen kann, doch das heißt nicht, dass sich die gesamte Umwelt auch schnell wieder erholt. Die veränderten Umwelteinwirkungen für ein paar Wochen bedeuten nicht, dass Schadstoffe nicht mehr da sind. Die sind immer noch in den Böden und Gewässern, die Treibhausgase sind immer noch in der Luft. Nur die akute Luftverschmutzung, etwa durch Feinstaub und Stickstoffdioxid, lässt nach“, stellt Dr. Schuler im Interview mit National Geographic klar. Was wir im Moment bemerken können sind lediglich Verbesserungen der Luft und Lichtverhältnisse.  

Um langfristig das Klima zu beeinflussen, dürfen wir gerade jetzt nicht vergessen unsere Klimaziele und Maßnahmen weiter zu verfolgen. Schon nach der Weltwirtschaftskrise 2008 gab es ein ähnliches Phänomen, doch sobald sich die Krise erholt hatte und die Wirtschaft wieder anzog, stiegen auch die Emmisionswerte wieder deutlich wieder an. Schon dort hätten wir aus der Krise lernen können, doch haben es nicht. Das macht es deutlich schwieriger daran zu glauben, dass wir es in dieser Krise schaffen, doch vielleicht gibt es diese Hoffnung doch noch. Mathias Horxdeutscher Publizist, der sich selbst als Trends,- und Zukunftsforscher bezeichnetspricht in einer seiner neuesten Veröffentlichungen von einer Welt nach Corona und spricht dem Virus eine Rolle als Evolutionsbeschleuniger zu. 2020 wird der CO-2 Ausstoß der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen“, so Horx. Corona sende uns eine Vision: Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt. Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?“ Damit setzt Horx einen Denkanstoß. Vielleicht werden wir uns wundern, wie sehr wir die Zeit zu Hause brauchten. Wie plötzlich das Lokale wieder mehr an Bedeutung bekam und wir den Spaziergang im Wald und den Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit auf einmal sogar dem Auto vorziehen 

Das klingt alles schön und gut doch keines unserer Klimaprobleme ist durch Corona gerade wirklich gelöst, wenn wir nichts weiter dagegen tun. Der Druck wächst sogar, berichtet die Tagesschau. „FDP-Politiker wollen den von der Bundesregierung im Klimapaket vereinbarten CO2-Preisaufschlag für Heizöl und Benzin verschieben und auch die Dünge-Verordnung aussetzen. 

Auch auf europäischer Ebene begründen Politiker aus Tschechien und Polen etwa ihren Widerstand gegen den European Green Deal mit der Corona-Krise“. Auch die UN-Klimakonferenz dieses Jahr wurde erstmal aufgrund von Corona nach 2021 verschoben.  

Die große Frage, vor der wir stehen ist nun, nutzen wir die Chance, die uns die Corona Zeit zu geben scheint und kommen im Klimawandel vielleicht umso mehr voran als wir es vorher gekommen wären oder tun wir nichts und machen nach Corona einfach so weiter wie vorher.

Von Jennifer Fiene
Veröffentlicht am 18.04.2020