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Von Paris über den Teich

Warum die USA ihre Einreisebedingungen ändern

Die Terroranschläge in Paris waren eine grauenvolle Angelegenheit. Alle sind sich einig, dass sie etwas gegen die wachsende Macht des IS unternehmen müssen. Nur die USA hat zusätzlich dazu noch andere Pläne.

Washington, DC - Er ist nun schon einige Monate her - der verheerende 13. November und seine Anschläge in Paris. Die Wellen von Trauer, Angst und Empörung sind bereits abgeklungen. Von den Beistandsbekundungen der Nachbarländer ist auch kaum noch etwas zu hören. Es wird still um die Terroranschläge in der französischen Hauptstadt.

Die Stille

Eine Stille, die urplötzlich von der lauten Stimme der besorgten US-Amerikaner gestört wird. Denn die Terroristen von Paris haben bestimmt die Vereinigten Staaten, die Weltmacht aller Weltmächte, die großen Freiheitsbringer als nächstes im Visier, oder? Ein naheliegender Verdacht. Was sollte man schon in Deutschland oder Spanien wollen, den direkten Nachbarländern von Frankreich? Das ist doch uninteressant. Nach Frankreich, also praktisch ganz Europa, ist der Sprung über den großen Teich ja wohl der nächste Schritt der Terrorbande. Da kann man es als Redneck schon mal mit der Angst zu tun bekommen.

Die Schwachstelle

Was tut man nun also im amerikanischen Regierungsviertel, um seine armen, unschuldigen, bis an die Zähne bewaffneten Bürger zu schützen? Man erschwert den Bösen die legale Einreise. Allen anderen natürlich auch. Denn wie soll man zwischen den Guten und Bösen unterscheiden? Ein Hautfarbenchart, wo die dunkleren Hauttypen die Bösen darstellen und die helleren die Guten ist wohl nur bei Family Guy realisierbar. 

Die einzige Schwachstelle, die es im heimischen Einreisesystem nach Meinung der US-Amerikaner noch gibt, ist die 90-tägige Reiseerlaubnis, genannt "Visa Waiver Program". Die Entwicklung dieses Programms war sowohl eine Reaktion auf den Terroranschlag in den USA im Dezember letzten Jahres, als auch auf die verschärfte Sicherheitslage in Europa. Tausenden Islamisten mit europäischem Pass, darunter auch viele Hamburger, haben sich auf den Weg nach Syrien und in den Irak gemacht, um den islamischen Staat zu unterstützen. Das Programm ist grundsätzlich für Bürger von insgesamt 38 Ländern nutzbar, darunter auch Deutschland.

Die Lösung

Als Staat, der zu Urzeiten rein durch Zuwanderung aufgebaut wurde, war das lösende Arrangement nur mehr eine auf der Hand liegende Formalität. Man schließt einfach gesamte Bevölkerungsgruppen vom Visa Waiver Program aus! So dürfen nun so genannte "Doppelstaatler", das heißt Menschen die eine zweite Staatsangehörigkeit in Irak, Iran, Syrien oder Sudan besitzen, nicht mehr durch die Vereinigten Staaten reisen. Da dieses Programm scheinbar mit großer Zufriedenheit angenommen wurde, stehen inzwischen auch Libyen, Jemen und Somalia mit auf der Liste.

Doch da hört die Einschränkung noch nicht auf. Konnte man früher durch ein Abkommen zwischen den USA und Deutschland ohne Visum 90 Tage durch Amerika reisen, indem man gemütlich in Hamburg in einen Flieger stieg und beispielsweise nach New York flog, wird einem dies nun erschwert. Zusätzlich zum Ausschluss bestimmter Staatsangehörigkeiten werden durch das neue Gesetz auch Reisende eingeschränkt, die sich nach dem 01.03.2011 in einem der oben genannten Länder aufgehalten haben. Ausgenommen sind hiervon natürlich all die Menschen, die sich aus guten militärischen Gründen dort aufhielten, oder zum Zeitpunkt des Aufenthaltes in Vollzeit-Beschäftigung der US-Amerikanischen Bundesregierung standen. Ob das frisch gebackene Gesetz noch gelockert wird, ist abzuwarten.

Eingeigelt

Die Amerikaner atmen auf: Was für ein genialer Schachzug! Vielleicht verschwindet das Problem ja, wenn man es im wahrsten Sinne des Wortes einfach ausschließt? Den aufkeimenden Rassismus bekämpft man mit dieser Lösung sicher nicht, aber das war auch nicht Ziel des Beschlusses. So hüllt sich der nordamerikanische Staat in einen weichen Kokon aus vorgegaukelter Sicherheit und verschließt wohlig lächelnd die Augen vor den Auseinandersetzungen der Welt. Falls von außerhalb doch ein Stimmchen laut werden sollte, schickt man aus sicherer Entfernung ein wenig Freiheit gen des Problems und hofft, dass sich alles von selbst wieder regelt. Denn in den Regierungsvierteln der USA vertritt man das Motto: Leave America alone again.

Von Ana Goldscheider
Veröffentlicht am 06.04.2016