Grossstadtpapier
Nachrichtenportal für Hamburg
Filmkritik

„X-Men: Dark Phoenix“ oder eher „X-Men: der Abstieg geht weiter“

Quelle: Pixabay

Einer weiterer Film über die X-Men. Ein weiterer Kampf gegen eine Gefahr. Aber keine neuen Konflikte.

Mit dem neuen Film der X-Men Reihe von Simon Kinberg wird erneut unter Beweis gestellt wie man eine Filmreihe an die Wand fährt. Es scheint das Jahr der schlechten Produktionen zu sein, erst werden Fans von der finalen Staffel von Game of Thrones und dann wird das Fandom mit dem neuen Film über Jean Grey zutiefst enttäuscht.

Obwohl englische Schauspielerin Sohpie Jonas (geb. Turner) in beiden Produktionen eine Hauptrolle bespielt, ist ihre schauspielerische Leistung mit dem Wandel von Sansa Stark zur mächtigen Mutantin Jean Grey doch nur besser geworden. Fans haben Jonas bereits im letzten X-Men Film „Apokalypse“ kennengelernt.

Jonas spielt erneut eine weithin bekannte Mutantin des X-Men Universums. Schon in den Comics und ersten Filmreihen wird Jean Grey als Mutantin mit selbst für diese Gesellschaftsgruppe überragend starken Kräften vorgestellt. Die Kräfte der Telepathie, Telekinese und die Phönix-Kraft. Denn letztere Begabung erlaubt es der Mutantin nicht nur alles Existierende zu Staub zerfallen zu lassen, sondern auch widerherzustellen. Dass die Mutantin innerlich mit einem aufwühlenden Gefühlschaos und einer starken Zerrissenheit umgehen muss, lässt sie als große Gefahr für ihr Umfeld dastehen. Aber auch nur, wenn sie die Kontrolle verliert. Ein Beispiel eines solchen Gefühlsausbruchs sehen Zuschauer gleich zu Beginn des Films. 

In dieser Einleitungsszene wird auf das altbekannte Mittel der erzählenden Stimme der Hauptperson aus dem Off zurückgegriffen. Die ältere Jean Grey spricht über die Kräfte der Mutanten und Konflikte. Dann wird direkt gezeigt wie Jean Grey im Kindesalter einen Autounfall mit Ihren Eltern verursacht. Alles nur, weil Sie ihre Kräfte und die Telepathie nicht ertragen kann. Welches Kind könnte das schon? Aber die Eltern sterben und Jean wird von Prof. Charles Xavier aufgenommen, um mit ihren Kräften geschult zu werden und Kontrolle zu lernen. 

Der Film setzt 10 Jahre nach dem letzten Film „Apokalypse“ ein. Die Mutanten-Gruppe der X-Men wurde in der menschlichen Gesellschaft als eine Superhelden-Gruppe akzeptiert und immer wieder zu Hilfe gerufen. Aber nicht alle sind mit dieser Entwicklung zufrieden. Der alttypische Konflikt um das Risiko des eigenen Lebens der Mutanten wird mal wieder in einer Diskussion zwischen der Mutantin Mystique (gespielt von Jennifer Lawrence) und Prof. Xavier (James McAvoy) ausgetragen. Dennoch tritt die Gruppe eine Rettungsmission einer Rakete im Weltall an. Während der Rettungsmission kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem gefährlichen Solarsturm und Jean nimmt aufopfernd sämtliche kosmische Kraft in sich auf. Obwohl die Mutantin keinen sichtbaren Schaden trägt sind ihre Freunde in Sorge um sie. Und das zurecht. Denn bei einem aufkommenden Gefühlschaos verletzt Jean einige Mutanten in ihrer Nähe. Die Situation verschärft sich, als Xavier mit seinen telepathischen Kräften versucht in Jeans Gedanken für Ruhe zu sorgen und ihr aber tatsächliche geheime Informationen über den Autounfall verrät. Jean ist noch aufgewühlter und reist zu ihrem doch noch lebenden Vater. Dort kommt es erneut zum emotionalen Konflikt, der selbst durch die nachgereisten X-Men nicht besänftigt werden kann. Darüber hinaus tötet Jean die Mutantin Mystique, was zu Rache und Verlustgefühlen bei den übrigen führt. Als ausgestoßene wird Jean von einer auf der Erde lebenden Alienform aufgenommen. Diese wird vorher nur kurz als Ankömmlinge auf dem Planeten vorgestellt. Es kommt erneut zum Kampf zwischen den X-Men und einer Gruppe von rachewütenden Mutanten um Magneto (Michael Fassbender). Später werden sämtliche beteiligten und eine ohnmächtige Jean von einer menschlichen Spezialeinheit festgenommen. Während einer Hochgeschwindigkeitsjagd werden sie von den Aliens verfolgt. Als die Lage aussichtslos scheint erwacht Jean und übernimmt mit ihren Kräften den Kampf ganz allein. Obwohl sie zu siegen scheint, opfert sie sich am Ende, da es keine Lösung für ihre übermächtigen Kräfte zu geben scheint. Dafür verbannt sie die Macht ins All und rettet ihre Freunde und die Erde erneut. Aber der Verlust verändert alle übriggebliebenen und sie verändern ihr Leben mal wieder um ihrem Opfer zu gedenken. 

Ein weiterer X-Men Film zeigt eine neue Zeitlinie. Bei den mittlerweile 3 verschiedenen Zeitlinien im Mutanten-Universum kommt es auch wieder zu einer neuen Geschichte. Obwohl altbekannte Stars wie Jennifer Lawrence als Mystique oder Michael Fassbender als Magneto wieder die typischen, rebellischen Rollen einnehmen, bleibt der Film dennoch eine Enttäuschung. Denn anstatt mit einem neuem Konflikt aufzutreten, werden altbekannte Diskurse wieder raus gekehrt. Die Angst vor den Mutanten durch die Menschen, das leicht zu brechenden Vertrauen in die mächtige Gruppe, das Opfern der Mutanten ohne richtigen Sinn oder auch die emotionalen Konflikte von Jean Grey. Alles bereits in sämtlichen Filmen vorher zur Genüge ausgelutscht. Das einzig Neue sind die Aliens. Es scheint eher als wenn Kinberg keine neuen Ideen hatte und darum einfach Probleme aus dem All zieht. Aber der Auftritt der außerirdischen Gefahr hätte sich viel besser darstellen lassen, als sie nur kurz aus dem Wald laufen zu lassen. Man muss ihm aber zugutehalten, dass die kosmische Macht, die Jean mal wieder zur größten Weltbedrohung aufspielt, sehr gut als Solarsturm getarnt wurde. Bis zuletzt war keinerlei Hinweis auf eine selbstdenkende kosmische Macht da, sondern nur das Wissen über diese Naturgewalt.

Die jedoch einzig wahre gute Handlung dieses Films war das schauspielerische Talent von der 23-jährigen Sophie Jonas. Als Sansa Stark hat sie vielleicht den Sprung in die große internationale TV-Karriere geschafft, aber die Rolle der Jean Grey lässt sie doch besser aus sich herauskommen. Aber auch der Schauspieler Micheal Fassbender zieht den Zuschauer als Magneto mal wieder in seinen Bann. Es besteht kein Zweifel mehr, dass es je eine bessere Rolle für den jungen Magneto geben könnte. Enttäuschend war aber Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence. Der vergleichsweise kurze Auftritt von Mystique hat doch die Talente des Tribute-von-Panem Stars unter den Teppich gekehrt. Genau in dieser Kategorie reiht sich James McAvoy ein. Als Charles Xavier verkörpert er zwar eine mächtige Rolle, aber es gibt hier keine Weiterentwicklung, es ist dieselbe Leistung wie in den letzten 3 Filmen. Es scheint fast als wenn es für die Schauspieler in diesen Rollen nicht mehr weitergeht. 

Die beste Idee wäre einfach die X-Men Filme ruhen zu lassen und sich neuen Herausforderungen zuzuwenden. Nicht nur geht es kaum noch weiter im X-Men Universum, die bekannten Mutanten sind schon zu oft gezeigt worden, Konflikte viel zu sehr ausgetragen worden, obwohl auch in jedem Film eine Lösung gefunden wird und die Storys werden immer dünner und weniger ausgereift. Sollte sich Kinberg aber immer noch auf Marvel Comics beziehen wollen, ist doch genug Auswahl da. Oder er versucht sich einfach an den DC Comics. Aber bloß keine weiteren eingestaubten Diskurse mehr um Charles Xavier und seine X-Men! 

Von Ann Katrin Meier
Veröffentlicht am 10.06.2019