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Sucht

Zeitalter der "Smombies"

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Für immer mehr Menschen wird das Handy zur Sucht und damit zum Gesundheitsrisiko.

Jeden Abend dasselbe Bild. Gemeinsames Abendessen, danach ab aufs Sofa, ein bisschen Netflix schauen bevor es ins Bett geht. Auch morgens beim Aufstehen das erste das man sieht, beim Zähneputzen, beim Frühstück. Der ständige Begleiter? Natürlich – das Smartphone.

Als Handysüchtig gilt bereits jeder, der sein Handy mehr als 60-Mal am Tag benutzt, fanden Experten der B2X-Studie von Facit Research heraus. Demnach sind bereits mehr als 176 Millionen Menschen von der Handysucht betroffen, mehr als doppelt so viele wie noch 2013. Für die meisten Menschen ist es unvorstellbar es auch nur einen Tag ohne Handy auszuhalten und 73% der Befragten verspüren sogar ein Gefühl von echter Panik wenn sie ihr Smartphone einmal vergessen haben. Die Tendenz der Handysüchtigen weltweit steigt und birgt gefährliche Risiken für die Seele und  das Leben.

Wenn über die Hälfte der Befragten angeben, es sei das Smartphone das sie morgens als erstes sehen würden, ist das zunächst erschreckend. Doch denkt man über sich selbst nach,  fällt einem mit großer Wahrscheinlichkeit auf, das es einem  fast genauso geht.

„Wir können nicht mehr ohne Smartphone, keiner kann das“, erzählt Saskia M. Die 34-jährige ist Krankenschwester und Mutter von drei Kindern im Jugendalter. „Heutzutage spielt sich das ganze Leben auf dem kleinen Ding ab, nicht nur bei meinen Kids, auch ich nutze das Handy immer öfter.“, erklärt sie. „Mittlerweile trage ich meine Termine dort ein, schreibe mit Kollegen, checke Mails und lese nebenbei noch Nachrichten und das Beste ist: ich bin immer erreichbar, falls Mal was ist“, erzählt sie weiter.

Sie wird nicht die einzige sein. Denn die Zahl der Handysüchtigen steigt stetig. Schuld daran, ist laut der Studie nur die Zeit. Denn je später man geboren ist, desto süchtiger ist man. So schauen die sogenannten „Millenials“ (zwischen 1980 und 1999 geboren) etwa 100-Mal pro Tag auf ihr Handy, während von den zwischen 1955 und 1969 Geborenen nur jeder Zehnte so oft zum Smartphone greift.

Der übermäßige Smartphone-Konsum birgt allerdings Risiken vor denen sich keiner verstecken sollte. „Es besteht die Gefahr von sozialer Isolation“, erklärt Dr. Herbert Mück, Psychotherapeut. „Nämlich dann, wenn man das Handy realen sozialen Begegnungen vorzieht“, heißt es weiter.

Darüber hinaus kann eine Handysucht neben diesen Folgen auch zu Angst und Depressionen führen. „Das plötzliche Fehlen des Handys ruft bei Betroffenen häufig Angst hervor und wird damit anderen Suchtkrankheiten ähnlicher, es wird sogar als Entzug wahrgenommen“, erklärt Dr. Mück.

Und auch Chirurgen warnen vor dem übermäßigen Handykonsum. Der New Yorker Chirurg Kenneth Hansraj erklärte gegenüber der „Brigitte“: „Durch das unnatürliche Kopf nach vorne recken um auf unser Handy zu schauen, lastet manchmal mehr als das 4,5 fache des normalen Kopfgewichts auf unserer Wirbelsäule“. Über mehrere Jahre hinweg könne das die Nacken- und Rückenmuskulatur so strapazieren das eine Operation nötig wäre.

Für Saskia überwiegen beim Smartphone aber die positiven Seiten. „Es ist einfach viel einfacher als früher. Ich kann meine Kinder leichter erreichen, immer und überall“, schwärmt sie. „Wenn sie Mal länger Weg sind können wir sogar über Videotelefonie kommunizieren, sowas ist purer Luxus für die gesamte Gesellschaft“, so die 34-jährige.

Auch wenn Saskia M. durchaus Recht mit den Vorteilen hat, sollte man die genannten Risiken aber nicht außer Acht lassen, gerade wenn der Konsum unnatürlich hoch wird.

Mittlerweile gibt es deshalb schon etliche Apps fürs Smartphone die dem übermäßigen Konsum vom Vorbeugen sollen. Mit sogenannten Screen-Trackern lassen sich  Betriebszeiten bzw. einzelne Entsperrungen und Aktivitäten aufzeichnen und so später vom Nutzer nachvollziehen. So auch die App „Menthal“ von Informatiker Alexander Markowetz.

Selbst Apple installiert mit dem nächsten Iphone-Betriebssystem die Software „digitale Gesundheit“ auf jedem Gerät. Diese wird dann ebenfalls aufzeichnen, wie viel Zeit man in einzelnen App verbringt.

„Finde ich gut“, sagt Sasika M. „So kann ich meinen Konsum wenigstens überprüfen und ggf. einschränken, wenn es zu viel wird.

„Oder man führt für einen gewissen Zeitraum einfach ein Konsumtagebuch und überprüft sich selbst.“ schlägt Alexander Markowetz vor. 

Von Natalie-Margaux Scholtz
Veröffentlicht am 11.06.2018